— .13 — zur Reformation: in den ersten sturmvollen, von Ausschreitungen aller Rrt erfüllten Jahren blieb die Stellung der Meistersinger abwartend, erst dann erfolgte auf Grund ernstlichen Studiums der Lutherschen Schriften die endgültige Parteinahme für den Reformator, doch auch jetzt noch ohne radikale Einseitigkeit oder Unduldsamkeit). von nun ab war die Sache der Reformation die Sache des Meistergesangs. Ruf Jahrzehnte war fast der ausschließliche Stoff ihrer Lieder die Luthersche Bibel, die ganz systematisch, Buch für Buch, Kapitel für Kapitel, Mort für Mort, in die meisterlichen Strophen und Reimschemata hineingezwängt ward und somit die weiteste Verbreitung in den bürgerlichen Kreisen fand, hier hat der Meistergesang aktiv in die Geschichte der Reformation und somit des deutschen Volkes eingegriffen* 2); auch Luther wußte den Vorteil, den er durch das popularisierende Genie eines Hans Sachs für seine Lehre gewann, wohl zu schätzen. Menn die Meistersinger sich trotz ihrer sozialen Herkunft oft in bewußten Gegensatz zum Volk und zu allem volkstümlichen fetzten, so lag das in ihrer hohen Ruffassung der Dichtkunst be- gründet, die sie, die vermeintlich privilegierten Vertreter der allein rechten Kunstübung, vor jeder Berührung mit dem profanum vulgus und seiner Kunst schützen wollten, besonders vor jeder Berührung mit dem Volksliede, dessen ausgesprochen weltlicher Eharakter, dessen Individualismus und Raturinnigkeit allerdings in starkem Gegensatze zu der scholastisch-trockenen Rrt der erbau- lichen Meisterlieder steht). Die streng exklusive Meinung der Meister von ihrer Kunst ist ja auch für die Tatsache verantwort- lich, daß die Veröffentlichung von Meisterliedern durch den Druck untersagt war. Gleichwohl ist der prinzipielle Gegensatz von Volks- und Meisterdichtung in der Praxis nicht durchweg gewahrt geblieben, volksliedmäßige Motive, Meisen wie Bruder Veiten tz lfampe, Meistergesang u. Reformation, Monatshefte d. Comenius- Ges. vd. 7 (1898), S. 163f.; Hagel a. a. G. S. 83 ff.; vgl. auch das be- geisterte Lob Luthers bei Spangenberg, von der Musica u. d. Mstrsgrn., Hrsg, durch Rd. v. Keller, Stuttg. 1861, S. 137 f.; ferner Gervinus, Gesch. d. d. vichtg. II1 (1853) S. 243. 2) Goedeke, Rezension des Schnorrfchen Buches, Gott. gel. Rnz. St. 2V (1872) S. 1138 ff. h vgl. z. v. Bragur Bd. 6.5. 162. Über die Rbkehr von der Volks- dichtung auch Burdach, Reinmar u. Malther, Lpz. 1880, S. 136. 30. i