— 11 — Die eigentlichen Träger der Meisterkunft waren, wenn auch Schulmeister, Studenten, Anwälte, Notare, Schreiber, ja sogar Geistliche und Kitter zu den Meistersingern gehört Habens, den- noch die in Zünfte organisierten Handwerker, unter denen sich die Schuster, Kürschner und Weber besonders hervortaten^); und die Entwicklung des Meistergesangs läuft ziemlich genau parallel mit Aufstreben, Blütezeit und Niedergang des deutschen Hand- werkerstandesh. Der bürgerlich-handwerkerliche Charakter ihrer Kunst zeigt sich auch darin, daß die späteren Meister die Tradition ihrer Kunst verbürgerlicht haben, indem sie den vermeintlichen Begründern ihrer Kunstübung nachträglich bürgerliche Vornamen und Berufe beilegten^). Wie die Minnesinger es gewesen waren, so waren die Meistersinger des l5. Jahrhunderts fahrende Sänger, die von ihrer Kunst lebten und ein Handwerk nur etwa nebenher betrieben Gegen Ausgang des 15. und vollends im 16. Jahrhundert wurden sie seßhafte Städter, die ihr Handwerk nährte und die die Pflege der Sangeskunst auf den Feierabend aufsparten; doch weist das 17. Jahrhundert wieder Fahrende auf, und bereits Hans Sachs scheint um die Mitte des 16. Jahrhunderts sein Handwerk auf- gegeben zu haben, um sich ganz der poetischen Produktion zu widmen3). Das erscheint um so natürlicher, als die Ausübung der Dichtkunst eine gewisse Gelehrsamkeit voraussetzte, deren An- eignung immerhin geraume Zeit in Anspruch nahm, mochte sie auch auf ein paar populäre Kompendien zurückgehn wie das ') Schnorr v. Larolsfeld, Zur Gesch. d. deutschen Mstrgsgs., Berlin 1872, $. 22 f,; Frdr. Ueinz, Ñus d. Ñugsburger Mstrsgrschule, Sitz.ber. d. bair. Ñk. d. wiss., München 1883, S. 156 f.; Hots), zur Gesch. d. Mstrs. z. Mainz u. Nürnbg., Ztschr. f. Uulturgesch. 3 Bd. (1896) S. 264 f. u. 179 ñnlage II. tz Goedeke, Grdr. IIa S. 247; Streinz, Der Mstrgsg. i. Mahren, PBB. Bd. 19 (1894) 5. 145. 3) k)ampe, Benedikt v. Watt, Euphorion Bd. 4 (1897) 5. 37. 4) Schnorr, a. a. ®. S. 15. 6) holtzmann, Germania Bd. 3 (1858, L. 307; dag. hampe, Spruch- sprecher etc. 5. 35f.; ferner Heinz, ñugsb. Schule. . 5. 153; Nagel, 5tud. z. Gesch. d. Mstrsgr., Langensalza 1909 S. 23 Ñnm.; Gsetze, pusch- man, Neues Lausitzer Magazin Bd. 53 (1877) S. 64; ñrnold, Sachs' Werke XXI; hartmann, Deutsche Mstrlieder-hss. i. Ungarn, Festgabe z. Sachs- Zubiläum, München 1894, S. 78 ff.