189 den Attentäter Kullmann gerichtet war. Dieser Brief war anonym und enthielt eine Bedrohung des Lebens des Fürsten Bismarck. Und diese Indizien wiesen wieder nach Speicher hin. Damals ist eine bestimmte Person in's Auge genommen worden. Gerade um die damalige Zeit ging Herr v. Hüllessem auch nach Speicher, cs konnte aber nicht kon- statirt werden, welche Person bei Ney gewesen wir. Es mußte diese Thatsache für die Untersuchung um so schwerer in's Gewicht fallen, weil die Elisabeth Flesch, die Blutschwitzerin von Eppelborn, ebenfalls aus Speicher war, und der hier bestrafte Kaplan Kickerts ebenfalls längere Zeit in Speicher fungirt hat. Das waren die Gründe, welche das öffentliche Ministerium veranlaßten, besonders nach Speicher zu r e ch e r ch i r c n." Präs.: „Ich kann aus den Akten konstatiren, daß auf Recherchirung des Speichcrer Händler alle erdenkliche Mühe angewendet worden ist. Denen, welche die Recherchen gemacht, ist es nicht gelungen, ihn heraus zu finden. Wir hören vom Ober-Prokur., welch' großes Interesse man daran hatte. Welche Vermuthungen vorlagen, das sind Dinge, welche unserer heutigen Untersuchung vollständig fremd sind." Simons: „M. H., Ich kann die Bemerkung nicht unterdrücken, daß ich es für mehr als Unrecht halte, daß malt Verdachts-Mo- mente hier hineinwa ft, deren absolute Unbegründetheit auf der Hand liegt, und welche in gar keinem Z usam nren h an g e mit der heutigen Verhandlung stehe n." Präs.: „Herr Vertheidiger, ich muß bemerken, daß ich die Sache so aufgefaßt habe, als wollte der Herr Ober-Prokurator die Gründe angeben, weßhalb nach dem Händler recherchirt wurde; das ist die Auffassung, welche ich von der Sache gewonnen. Daß die Dinge nicht wirklich zur Ermittelung geführt haben, steht fest." Verth. Simons (äußerst lebhaft): „Ich erwarte, daß der Herr Oberprokurator die Gründe darlegt, wodurch man vernünftiger Weise zu der Vermuthung kommen kann, daß das K u l l m a n n' sche Attentat und die sogenannte Blutschwitzerin Flesch in irgend welcher Beziehung zu vorliegender Sache stehen. Sollte er das nicht thun, so wird die Vertheidigung später konstatiren, daß man dies hier in die Debatte hineingeworfen hat als subjektive Meinung, daß man dafür nichts Thatsächliches hat vorbringen können. Ich erwarte also das Thatsächliche vom Herrn Oberprokurator."