84 diese Frage überflüssig sei. Bei einer weiteren Frage des Thömes schneidet ihm das Richterkollegium das Wort ab. Der Herr Präs. hält dem Beschuldigten Neur. vor. daß er trotz der Erzählung, welche ihm Referendar Strauß in Schissweiler gemacht, geglaubt habe, daß die Kunz ein wahrheitliebendes Kind sei. Neur. entgegnet: „Ich glaubte nicht, daß Strauß in amtlicher Be- ziehung zu dem Kinde gestanden Ferner sagte mir Pastor Rath, das Kind habe ihm versichert: „Ich habe a l l e rd i n g s e i n? U n wa h r- heit gesagt, aber nur um loszukommen." Endlich sagte ich zu Dr. Strauß: Auch wenn das Kind Ihnen gegenüber gelogen hat, dann glaube ich doch an die Wah heit der Erscheinung; denn die 4 Männer behaupten, sie hätten die Erscheinung gesehen, und sie sind für diese ihre Aussage in's Gefängniß gegangen; für eine Lüge geht man nicht in's Gefängniß. Der Präs. betont, das Kind habe unter Anrufung Gattes gelogen. Strauß sagt noch, daß er am 2 Nov. 1876 beim hiesigen Land- gericht erst eingetreten sei und v. Hüllessem damals nicht gesehen habe; er gibt noch zn den Akten einen Brief der Kunz an Hüllessein, welchen sie nach der mit Strauß gemachten Reise geschrieben hat. Betreffs der heute Morgen erwähnten Geschichte mit der Karten- schlägerin berichtet der Präs., daß die darüber verhörten Zeugen die Vermuthung ausgesprochen, die Kartenschlägerin sei eine übel beleumun- dete Frau aus Dudweiler oder aus Ottweiler; er glaubt, daß das Zeugniß derselben nicht viel Glauben verdienen werde. Die Vertheidiger bedauern es, wenn eine gründliche Aufklä- rung dieses Zwischenfalles nicht möglich ist; indessen haben sie nicht ein sehr großes Interesse an der Sache, und damit ist dieselbe erledigt. Zeugin Gräfin Spee, geborene Galen. Es werden vier Briefe von ihr an Neureuter und Dicke verlesen; Kaplan Dicke hat ihr Marp. Wasser besorgt; ob aus Auftrag des Pastor Neur., weiß sie nicht; ihrer Bitte an den Pastor Neur., eine heil. Messe zu lesen, fügte sie Geld bei. Dieses Geld ist ihr nicht wiedergesandt worden. Die kranke Tochter, für welche das Marp. Wasser bestimmt war, erlangte nicht eine wunderbare Heilung, sondern starb. Zum Schlüsse wird die Zeugin gefragt, ob der Pastor Neur., welchen sie in Marp. persönlich gesproßten, auf sie den Eindruck» gemacht habe eines Mannes, welcher an die Wirklichkeit der Erscheinungen glaube. Sie bejaht diese Frage und fügt hinzu, daß auch sie daran glaube.