37 nur irgend etwas Weines gesehen; aber sie waren jetzt darauf zurückge- kommen, daß Alles, was sie Anfangs gesagt hätten, auf Wahrheit beruhe." Der Präsident läßt die Erklärung verlesen, welche die Wittwe Magd. Kunz über das am 27. Oktober von dem Geheimpolizisten über die Aussagen ihrer Tochter aufgenommene Protokoll am 27. November 1876 veröffentlicht hat. Dieselbe lautet: Am 27. Oktober, als die Verhaftung des Hrn. Pastor Neur. erfolgte, wurde meine Tochter Margaretha von einem Gendarmen abgeholt und in das Haus des Wirthes Bl. zu dem Hrn. James Marlow, d. h. v. Meerscheidt Hüllessem, gebracht. Ich begleitete mein Kind, blieb aber unten im Hause, während es in den zweiten Stock zu jenem Herrn gefühlt wurde. AIs die Ankunft des Wagens, ivorin der Hr. Pastor als Gefangener saß, er- wartet wurde, rief der Hr. v. Meersch.-Hülless., wie nur berichtet wurde, den unten flehenden Gendarmen zu, sie möchten die Straße säubern, oaß er auf den Wagen hinsehen könne. Nach der Aus- sage meiner Tochter stellte er diese bann auf einen Stuhl und zeigte ihr die herankommende Droschke, worin der Hr. Pastor saß, mit den Worten: „Siehst Du jetzt? Ihr habt eine falsche Mutter Gottes. Sie hat Euch gesagt, wir könnten dem Pastor Nichts machen. Wenn Tu jetzt die Wahrheit nicht sagst, wird morgen auch Deine Mutter genommen." Das Kind antwortete: „Was hat denn meine Mutter verbrochen?" Darauf sagte jener Herr: „Das wirst Tu am besten wissen." Dann mußte meine Tochter wieder, wie bei allen Verhören, das Protokoll unterschreiben, wurde dann entlassen und ging später zur Schule. — Um 3 Uhr wurde mein Kind durch einen Gendarmen aus der Schule ab- geholt und wiederum zu dem Hrn. v. Mcersch.-Hüll. gebracht. Derselbe sagte zu meiner Tochter, er habe das früher aufgenom- mene Protokoll verklext („verplatscht" in, Ausdruck der Mary. Sprache) und könne es so nicht fortschicken. Es brauche jetzt nur wieder seinen Namen zuschreiben. Das Kind unterschrieb denn auch wieder und wende sogleich wieder in die Schule von einem Gendarmen geführt, ohne irgend eine nennenswerthe Zwischenzeit. Marpingen, den 27. Nov. 1876. Wittwe Magd. Kunz. Daraus wird das Protokoll verlesen, welches Hr. v. Meersch.-Hüll.