8. DIE REFORMIERTE GEMEINDE Durch die Einführung der Reformation im Jahre 1575 hatten nur die Anhänger der Augsburger Konfeffion, alfo die Lutheraner, das Recht öffentlicher Religionsübung erlangt, während die Reformierten nur auf Hausandachten angewiefen waren. Nun waren befonders aus dem Elfaß und der Pfalz auch reformierte Familien eingewandert; man zählte deren damals zehn in beiden Städten. Da auch die Mutier des Fürften Heinrich, die Fürftin Charlotte Amalie, dem reformierten Bekenntniffe angehört hatte und der Fürft feine Städte durch Ein- wanderung vermögender Leute vergrößern wollte, fo verlieh er den Reformierten im Jahre 1743 durch folgenden Erlaß freie Religions- übung: ,,Von Gottes Gnaden Wir Wilhelm Heinrich etc. Fügen hiermit jedermänniglich zu wissen: Nachdem Wir uns bewogen finden, Unsere Resident?-Stadt Saar- drücken, so wohl zu deren mehrerer Auffnahm, als in Ansehung ihrer zum Commercio schicklichen Lage und bisherigen starken Anwachses der Bürgerschaft erweitern und mit erforderlichen mehreren Wohnhäusern versehen zu lassen, hiebey aber auch dem inständigen Ansuchen Unserer der Reformirten Religion zugethanen Bürger und Enwohner, puncto exercitii publici religionis, woran cs ihnen dahier annoch ermangelt, stattzugeben, was gestalten wir nicht nur denen Neu-Bauenden, so nach dem hierinnen vorgeschriebenen Reglement bauen werden, überhaupt folgende Freyheiten, sondern auch denen Reformirten sothanes exer- citium religionis nachstehender massen in Gnaden zugestanden haben. 1. Ist einem jeglichen, der an denen von uns hierzu bestimmten Orten ein Hauss auffzubauen gemeinet, zwar erlaubt, solches von 30 — 60 Schuh in der Länge, nachdem sich sein Vermögen erstrecket, auffzustellen und den benöthigten Plaij sich darzu anweisen zu lassen, er solle aber doch schuldig scyn, so viel die Höhe und Egalitaet des Dach-Werks, der Fenster und Thür-Gestelle betrifft, sich darunter nach dem von Unserm Bau-Directore deshalb verfertigten und von Uns gnädigst approbirten Plan und Reglement zu richten. 2. Soll der neue Plah, darauf! ein anderer bauen will, demjenigen, welchem der- selbe cigcnthümlich zugehöret, zwar ganl? oder zum Theil, nach seiner Willkühr, 95