Aber die fchmerzlichfte Prüfung blieb dem frommen Grafen nicht erfpart. Im Jahre 1635 mußte er vor den Kaiferlidien, die Saarbrücken befehlen, nach Meß flüchten, wo er fünf Jahre fpäter im Elend ftarb. Seine Witwe, Gräfin Anna Amalia, kehrte nadi Saarbrücken zurück und ftarb hier im Jahre 1651. Sie wurde als das erfte Mitglied des grätlidien Kaufes in der Schloßkirdie begraben, doch die Armut der Zeit gönnte audi ihr kein Denkmal. Im Verlaufe des Krieges war die Bürgerfchaft durch Peft, Hungersnot, Brand und Auswanderung lehr zufammengefchmolzen. Aus dem Jahre 1635 wird berichtet: „In beiden Städtchen find letztmals nit mehr als 70 Bürger und diefe ganz ruiniert.“ Die Lehrer des Gymnafiums waren bis auf einen an der Peft geftorben; diefer, Magifter Philippi, unterrichtete allein die wenigen übrig gebliebenen Schüler, bezog aber keine Bcfoldung, da die Gefälle von St. Arnual, Herbitzheim und Wad- gaffen ausblieben, und war auf die Erkenntlichkeit der Eltern angewiefen. Dazu verfah er die Pfarreien zu St, Arnual, Bedungen und Wilhelms- brunn, von denen die letztere 3 Stunden von Saarbrücken entfernt lag. Wie er dem Grafen berichtete, hatte er in zwei Jahren 68 mal den Kreuzwald mit Leibs- und Lebensgefahr durchwandert. Im Unterricht wurde er fpäter von dem Pfarrer Sdiloffer in Saarbrücken unterftützt, dodi die Zahl der Schüler war fo gering, daß beide den Unterricht in ihren Wohnungen erteilten. Später war der Rektor des Gymnafiums zugleich Diaconus in Saar- brücken und Pfarrer zu Gersweiler und Klarental. 5. DIE REUNIONSZEIT Nur langfam vermochten fich die verarmten Städte von dem Kriegs- elend zu erholen, und es dauerte viele Jahre, bis die Spuren der aus- geftandenen Leiden einigermaßen verwifcht waren. Schweden und Kaifer- liche, Lothringer und Franzofen hatten nadicinander die Städte heießt gehalten und von dem Gut der Bürger gelebt, Brandfchaßung und 39