fachen ihre Kinder nicht zur Schule fchickten. feilten fie gleichwohl das Schulgeld zu entrichten fchuldig fein und deffen erinnert werden. Niemand follte ohne Erlaubnis der Vifitatoren feine Kinder aus der Sdiule nehmen. Armen Schülern und „fähigen Ingeniis, die für andern zu den Studiis tüchtig“, follte aus dem Kirdienvermögen, wenn möglidi, eine Beifteucr gegeben werden. Auch fuchte Graf Ludwig der Verfchwendung und den übermäßigen Gaftereien zu heuern, die in jener Zeit befonders bei Verlöbniffen, Hochzeiten, Kindtaufen und Leichenbegängniffen im Schwange waren. Der Wohlftand fcheint damals hier zu Lande wie im übrigen Deutfchland groß gewefen zu fein und zu allerlei Ueppigkeit verführt zu haben. Bei Verlöbniffen (Handftreich) follten nicht mehr als 2 Tifche zu je 10 Per- fonen erlaubt fein bei Strafe von einem halben Gulden für jede über- zählige Perlon. Es follte dabei nidit mehr als eine Mahlzeit angerichtet werden bei Strafe von 5 Gulden. Auf Hochzeiten Tollen nicht mehr als 5 Tifche erlaubt fein, Herrendienern, audi vornehmen Rats- und Gerichtsperfonen 6 Tifche, ungerechnet Kutfcher und Diener. Die Mahl- zeit foll nicht länger dauern als von 6—10 Uhr. Das Suppenholen der Einheimifdren und das Nadihaufeholen von Spcife und Frank foll abgcfchafft fein, cbenfo das Austeilen von Schnupftüchern vor dem Kirchgang außer bei den Brautführern an folchen Orten, da die Ver- ehrung von Handfchuhen nidit Herkommen. Die Zeit des Kirchgangs foll genau eingehaltcn werden; kommt der Hochzeiter eine Viertelftunde zu fpät in die Kirche, fo foll der Pfarrer die Kopulation an diefem Tage nicht vornehmen, fondern verfchieben. Die Mittagsmahlzeit foll an den beiden Hochzeitstagen nicht über 4 Uhr dauern, doch foll denen, die nodi Luft zum Trunk haben möchten, derfelbe dadurch unverfaget fein. Beim Tanzen foll Zucht und Ehrbarkeit gehalten, audi kein Gezänk erhoben werden. Ungeladene oder deren Knechte und Mägde fo.len der Hochzeitstänze müßig gehen oder davon in Gewahrfam oder ins Narrenhaus geführt werden. Trunk foll nidit über 11 Uhr gereicht werden und die Wacht den Gälten die Zwölf-Uhr anzcigen, damit 25