Die Hagelfeiertagel), Faftnacht, Walpurgis und Johannisfeuer, Geläute und Glockenftreiche gegen das Wetter, Gebete bei und über den Totengräbern follen nicht geduldet werden, auch nicht „übergebliebene Totenbein und genannte Heiligen (Reliquien) wie auch Sakrament- häuslein, die man gänzlich foll abfehaffen und die Totenbein auf dem Gottesacker verfcharren,“ Zufammenkünfte des jungen Volkes, der Knechte und Mägde zu Winterszeiten in den Kunkel- oder Spinnftubcn follen bei 6 Albus 4 Pfennigen Kirchenbu^e verboten fein. So griff die kirchliche Zucht faft auf alle Gebiete des bürgerlichen Lebens über. Die fittlichen Zuftände mochten wohl in jener Zeit vielfach bedenklicher Art fein und Beffcrung wünfehenswert machen; anderfeits war die Aufteilung von befonderen Kirchenzenforen und ihre Belohnung mit der Hälfte der Strafgelder nur zu fehr geeignet, Frömmelei und Angeberei zu fördern. Mehr Anerkennung verdienen die Bcftimmungen über Einfammlung von Almofen für die Armen, die Verwaltung des Kirdiengutes, Ab- hörung der Kirchenredmungen und Erhaltung von Kirchen, Pfarr- und Schulhäufern. Die Kirchen follten in gutem baulichen Zuftand gehalten werden; bei Neubauten mußten die Pfarrinfaffen Frondienfte leiften, zu- weilen auch die Meifter und Arbeiter beköffigen. Die Pfarrhäufcr follten beim Einzug eines neuen Pfarrers von dem Superintendenten und dem Kirchenfdiaffner befiditigt und danach in Stand gefefft werden. Der Kirchhof follte mit einer Mauer umfriedigt und darauf gehalten werden, dah niemand aus der Gemeine feine Schafe, Pferde und Säue darauf treibe. Von der Bedeutung der Schule für die Erziehung des Volkes überzeugt, fchrieb Graf Ludwig vor: „wo Schulen vom Glockenampt und andern Gefällen uffgericht, dafelbft foll jedes Pfarrvolk mit Zutun deren Filialen bequeme Schulhäufer vor Schulmeiftcr und ihre eigenen Kinder mit fchuldiger Dankbarkeit erbauen und im Bau erhalten.“ Die Vifitatoren follten dem Unterrichte beiwohnen und auf die Fortfchritte der Kinder achthaben. Wenn Eltern aus Kargheit oder andern untauglichen Ur- *) Der Hagelfciertag war der Tag der Wetterherren Johannis und Paulus, 26. Juli. L>4