ermahnt werden; halfen die kirchlichen Strafen nicht, fo follten die Widerfpenftigen tteine ziemliche Geltftraft“ von etlichen Weiljpfennigen, die in den Gotteskalten kommen follten, erlegen oder auch einen Tag oder etliche in bürgerliche Haft oder Gefängnis kommen, Audi das Spazierengehen auf dem Kirchhofe während der Predigt und „unm'il^lich Sdiwal^en“ dafelbft follte mit 4 Weihpfennigen beftraft werden; un- nötiges Fahren am Sonntag vor und während der Predigt wurde bei Pön zweier Gulden verboten. Für das bürgerliche Leben wurde ftrenge Ehrbarkeit vorgefdirieben. Die Kirmeifen, bei denen es leichtfertig und wüft hergehen mochte, wurden gänzlich verboten; den Pfarrer, der eine Kirmes hielt, follte Amtsentfehung, die anderen hohe Geldftrafc treffen. Die Sonniagstänze, befonders während der Predigt und Kinder- lehre, dazu „andere leichtfertige Üppigkeiten, fo nach heidniieher Weife zur Fafinacht, Walpurgis. Pfingften, Johannistag und anderen Zeilen mehr durchs Jahr vom gemeinen Mann geübt und fürgenommen werden“, follten gänzlidi verboten fein. An Hochzeiten dagegen war das „ziemliche“ Tanzen geftattet, doch nicht unter der Predigt oder zu der Zeit, wenn man den Katechismus hält1), dazu „ehrlicher Weife“. Die Beamten follten redlidie Perfonen verordnen, die bei den 1 änzen fein und darauf achten follten. Wahrfagen und fonftiger Aberglaube, Gottesläfterung, Trunkenheit und fittliche Vergehen follten ftreng geahndet, Wiedertäufer des Landes verwiefen werden; doch wurde ihnen Zeit gelaffen, ihre Güter zu verkaufen. Die Ehe unter nahen Verwandten war im An- fchlui^ an das Mofaifche Gefeh verboten. Die gleichzeitig herausgegebene Agende enthält genaue Vorfdiriftcn über die Ordnung des Gottesdienftes und über die Ausführung der Vifitationen. Die Zahl der Feiertage wurde befdiränkt. dodi war fie größer als heutzutage. Auher den noch jetd geltenden hohen Fcfttagcn ') An der Katechismuslehre mußten auch die Erwachsenen tcilnchmen; nach der Kirchenordnung Graf Ludwigs follte keine Pcrbn zum Abendmahl, als Gevatter bei der Taufe oder zur Ehe zugelalfcn werden, falls fie nicht die Hauptftücke des Kate- chismus kannte. 18