247 in der Stunde seiner Ankunft sein Oheim mit zween Söhnen mit einigen Hundert andern Unglücklichen mit Kartätschen erschossen wurden; wie er Augenzeuge dieser Greuelthat sein mußte, nicht eine Thräne vergießen durfte und nur erst, als die letzten Zuckungen der Gemordeten aufgehört hatten, sein Pferd wenden und seine Vaterstadt, wo er alles, was ihm lieb war, verloren hatte, ver- lassen konnte. Aber auch andre, welche so schweres Unglück nicht gebeugt hatte, haben sich rechtschaffen betragen. Selten haben die Offiziers ihre Hülfe versagt, wenn sie von den hiesigen Einwohnern ange- rufen wurden, um Unordnungen der Soldaten zu steuern, doch da sie keine Zwangsmittel gebrauchen durften, so waren ihre Be- mühungen gewöhnlich fruchtlos; und ihre Dienstfertigkeit in solchen Fällen war auch nicht eine Zeit wie die andere, sondern formte sich nach den Gesinnungen der allmächtigen Repräsentanten. Diese waren immer nachtheilig für uns, und bei ihrer Anwesenheit zwang die Furcht den bravsten Mann Wider seinen Willen jenen gemäß zu handeln. War aber die Rede nicht von Soldaten, so suchten sie uns in jeder Angelegenheit, oft auch nicht ohne ihre Gefahr, gefällig zu sein. So viel ich mich erinnere, habe ich Ihnen in meinen vorigen Briefen bereits mehrere Beispiele angeführt. Hier noch einen kleinen Nachtrag. Während der Anwesenheit des deutschen Heeres vor unsrer Stadt war in einer unsrer Städte kein Brod zu haben, und ich war genöthigt meine Magd in die andere Stadt zu schicken. Wegen einer Bewegung der deutschen Vorposten war der Uebergang über die Brücke ohne Erlaubsschein vom General verboten, und die Magd wurde zurückgewiesen. Ich entdeckte meine Verlegenheit einem Oberst von der Cavallerie, der bei mir wohnte, und dieser ging auf der Stelle um einen Erlaubnisschein bei dem commandirenden General Vincent auszuwirken, und da er ii)it nicht in seiner Wohnung fand, ging er in die andre Stadt um ihn aufzusuchen- Eine Viertelstunde nachher kam General Vincent selbst in meine Behausung und meldete mir auf die höflichste Art, daß der Ueber-