237 sehr natürlich. Sie sahen den Mangel vor Augen und fühlten schon die Qualen des Hungers , und nun haben sie auf einmal Brod, Fleisch und Wein die Fülle, und wir sind ausgefressen, und die letzte Hoffnung uns aus der Pfalz mit Lebensmitteln zu ver- sehen ist vernichtet. Selbst unsre bisherige Quelle, das Leyische Land, ist für uns verstopft. Nach den unglücklichen Ereignissen im Elsaß und der Entfernung der Deutschen verzweifelten die kleinmüthigen deutschen Bewohner der Leyischen Herrschaft an ihrem Heil, zumal da fr. Commissärs bei ihnen einrückten und ihnen ziemlich starke Kriegssteuern ansetzten. Sie faßten daher den Entschluß sich zur Reunion der Republik anzubieten. Dieses wurde von den Commissärs einstweilen bis zum Beschluß des Rat. Conv. angenommen, ihnen aber dennoch auferlegt die Kriegssteuern und Lieferungen zu leisten, dabei aber als Republi- kanern in spe bei Lebensstrafe verboten das mindeste von Getreide oder andern Lebensmitteln, deren Allsfuhr in Frankreich verboten ist, auszuführen. Dies ist also ihr Gewinllst, den sie von ihrer Thorheit hatten, welche wir aber hart mitbüßen müssen, da dies unsere einzige Zuflucht war. Das schlimmste dabei ist, daß wir mit unsern Beschwerden von den Franzosen verhöhnet werden. Warum habt ihr euch nicht mit der Republik vereinigt? Warum vereinigt ihr euch nicht mit derselben, dann bekommt ihr Früchte unb Lebensmittel. Laßt euch von den Deutschen Lebensmittel schicken! Geduld! die Preußen kommen bald wieder und bringen euch Brod und Wein! Dies sind die Antworten, die wir auf unsre Klagen, ans unsre Bitten erhalten. Aber so klar ihre Absicht vor Augen liegt, wollen wir solche doch ilicht verstehen, und unsere Standhaftigkeit ist bis jetzt unerschütterlich. Ob sie dem allmächtigen Bälldiger, dem Hunger, dereinst widerstehen wird, muß die Zeit lehren. Leben Sie wohl.