236 nicht Republikaner sein wollten, wenigstens durch republikanisches Begräbnis dazu einzuweihen. Wie sehr der Mensch geneigt ist dasjenige, was er nicht wünscht, auch nicht zu glauben, haben wir bei den neuern Kriegsvorfällen ge- sehen. Die Nachrichten von dem glücklichen Erfolg der Franzosen wur- den geschwind verbreitet, aber auch so lange widersprochen, bis endlich Augenzeugen und selbst deutsche Berichte solche bestätigten. Sie, mein Freund, werden solche sobald und eher noch als wir erhalten haben. Ich will dieselben also mit Stillschweigen über- gehen. Nur der Umstand ist Ihnen wohl unbekannt geblieben, daß bei der Hanptattaque des wichtigsten Postens die franz. Na- tionalgarden und Volontairs von der hinter ihnen aufgestellten Cavallerie mit Säbelhieben vorangetrieben und das Zurückweichen unmöglich gemacht wurde, und daß man noch eine beträchtliche Anzahl Kanonen aufgepflanzt und den Truppen den Endzweck derselben, nämlich die Zurücksliehenden niederzuschießen, nicht ver- hehlet hatte. Da hieß es also wohl: Volontair, friß oder stirb! und die französischen Generals hatten ganz richtig calcnlirt, daß die Deutschen einem solchen Angriff nicht widerstehen würden. Daß aber die Franzosen einen außerordentlichen Menschenverlust dabei erlitten haben, ist außer Zweifel. Alle Chirurgen, welche bei dem hiesigen Spital angestellt waren, mußten in aller Eile nach dem Elsaß ausbrechen, und um die hiesigen Blessirten und Kranken keinen Mangel an chirurgischer Hülfe leiden zu taffen sind die Chirurgen in der Stadt in Requisition gesetzt worden und müssen solche behandeln. Nach den französischen Zeitungen ist das Schicksal der Pfalz und der übrigen diesseits des Rheins gelegenen Länder, welche die Deutschen verlassen haben, von dem Nationalconvent entschieden. An deren Behauptung wird und kann nicht gedacht werden, und deswegen ist der Befehl erlassen solche gänzlich auszuleeren. Daß die Franzosen in Befolgung dieses Befehls nicht säumig sein müssen, beweisen die Fruchttrans- porte, welche unaufhörlich hier durch passiren; die Heerden Schaafe, Kühe und Ochsen, welche täglich ankommen, und welche wir mit Wehmuth, die Franzosen mit ausschweifender Freude erblicken. Bei uns und ihnen sind diese verschiedenen Gemüthsbewegungen