231 Was wir bei der Hinrichtung unsrer armen Mitbürger ver- mutheten, ist erfolgt. Schon am 14 ten wurde dem Magistrat bei seinem Kopf befohlen den Ueberrest der an der Million noch fehlen- den Summe, welche ohngefähr 160 000 Livres betrug, beizuschaffen. Da der reichere Theil der Kaufleute bei der erstern Zahlung nicht verhältnismäßig mit ihrem Vermögen beigetragen und dieses Murren unter der niedern Bürgerschaft erregt hatte, so wagte es der Magistrat nicht dieser nochmals einen Beitrag anzusinnen, sondern er theilte diese Summe auf die Reichsten verhältnismäßig aus und überließ ihnen die Gelder aufzufinden. Die Guillotine hatte auch fo viel gewirkt, daß solche in wenig Tagen beigebracht wurden. Daß die Franzosen an Hemden, Schuh und Strümpfen, be- sonders au Hosen Mangel litten, hatten wir oft mit leibhaftigen Augen gesehen, ohne daß dieser Mangel unser Mitleid erregt oder uns solchem abzuhelfen angereizt hätte. Ehrmann hat uns aber für unsre Hartherzigkeit gestraft, und was wir nicht gutwillig geben wollten, mußten wir geben. Am 20sten wurden wir bei Strafe militärischer Schuh-, Strümps- und Hosenvisitation auf- gefordert alles, was wir entbehrliches von diesen Kleidungsstücken besäßen, auf das Rathhaus abzuliefern, womit die Vertheidiger der Freiheit bei der kalten Witterung beschuht, bestrümpft und behoset werden sollten. Es wurde befolgt, und die Lieferung war sehr beträchtlich, besonders waren die Weiber mit alten Hosen freigebig, welches man als einen Beweis annehmen kann, daß wenigstens ihre Schamhaftigkeit nicht revolutionirt worden ist.*) Dem unbärtigen Criminalrichter le Vasseur wurde aufgebunden, daß er in St. Johann nicht sicher wäre, sondern daselbst leicht von den Deutschen, welche ihm wegen der Ermordung des Lohmüllers und Hupperts den Tod geschworen hätten, aufgehoben werden könne; und was glauben Sie, daß der Bube that? Nach Saarbrücken gezogen fein! das wäre wohl das leichteste und natürlichste gewesen. Nein! er machte den Braven, legte seine Pistolen und Säbel parat und wachte eine ganze Nacht unter Furcht und Schrecken. Allein *) Die bedürftigen Soldaten erhielten diese Steuer nicht, welchen wir sie gerne gcgönnet hätten; sondern die Commissärs ließen die besten Hemden und Kleidungsstücke in Forbach versteigern und steckten das Geld in ihren Diebsseckel.