219 den andern meiner Freunde besuchen, vielleicht zum letztenmale. Denn wir werden heute beim Schlafengehen wie Atabek Khaled beten: Allah! gieb daß unser Kopf auch morgen sich wieder so niederlege! Leben Sie wohl. Ächter Kries. Saarbr. den 13ten December 1793. Tausendfacher Dank dem höchsten Wesen! unsre Agonie, wie ich es gar wohl nennen kann, hat nicht einmal 24 Stunden ge- dauert. Sueru Ouillotinu ist gestern Morgen um 8 Uhr mit ihrer fürchterlichen Begleitung abgegangen, und unsere Köpfe stehen jetzt wieder um etwas fester. Von hier reiste sie nach Saarge- münd, von wo sie eine Tour nach Blieskastel, Bitsch, Bockenheim u. s. w. machen soll. An ersterm Ort liegen 18 Personen, mei- stens Bäcker, Wirthe und Krämer, welche sich die neue Taxord- nung nicht gefallen lassen wollten oder gegen die Assignaten murrten, in den Gefängnissen und sind der Guillotine geweihet. Auch unter solchen ein Mädchen, welches eine Caffee-Schenke an- gelegt hatte, die Tasse Caffee aber nicht geringer als zu 24 Sols in Assignaten verkaufen wollte, welches die Ohnehosen zu theuer und sie des Verbrechens der Verachtung der Assignaten schuldig fanden. Da solche ihren Weg in die Grafschaft Saarwerden nimmt, so zittern wir für unsre Verwandten und Freunde, die noch zurückgebliebenen fürstlichen Bedienten in Harskirchen und Neusaarwerden. Wie leicht ist's, daß man auch dort, wo noch so viele Gutgesinnte sind, Ü68 KruuäL 6X6mpl68 geben möchte. Heute ist auch endlich das Urtheil der beiden unglücklichen Hingerichteten gedruckt und aller Orten angeschlagen worden. Es erforderte wirklich auch nicht weniger als einen Zeitraum von 3 mal 24 Stunden um ein solches Gewebe von Unsinn und Lügen