191 wohnte, welcher in diesen beiden Dörfern herrscht! Die Einwohner verdienen gewiß, daß ihre in diesen Zeiten bei der außerordent- lichen Furcht, welche die Franzosen überall verbreitet haben, doppelt ruhmwürdige That bekannt gemacht werde, und deswegen habe ich Ihnen, mein Freund, solche nicht vorenthalten wollen. Verschiedene Landgeistliche sind sehr hart mitgenommen worden. Dem Pfarrer Rupp in Cölln ist mit seiner Familie in der Welt nichts als die Hauskleider auf dem Leibe übrig geblieben. *) Unser Freund Rheinhold in Duttweiler hat alle seine und seiner Kinder Kleider und Weißzeug, was er nicht schon vorlängst aus Vorsicht weggeschickt hatte, verloren. Die Stiefeln zogen sie ihm von den Füßen, und er kann von Glück sagen, daß es ihm durch die vermuthlich durch Angst vermehrte Anstrengung gelang seinen Trauring vom Finger loszureißen, weil der Säbel schon gezogen war, womit sie ihm den Finger abhauen wollten um den Ring zu bekommen. Er mußte sich Schuhe bei einem Bauern lehnen um nicht barfuß zu gehen.')Dies alles ist aber nicht im Stande ihn aus seinem Gleichmuth zu schütteln oder seinen Humor in ein Iani6nt080 herabzustimmen. Er wollte mit seiner Gemeinde ge- plündert werden, leben und sterben, was ihm auch die Preußen sagen mochten um ihn zur Flucht zu bewegen, weil er glaubt, daß es keine Kunst sei bei einer hinreichenden Besoldung in Ruhe und Frieden bei seiner Gemeinde zu leben und solche, wenn sie keines Trostes bedarf, zu trösten, aber im Jammer und Elend, das nun in reichem Maaß über sie ausgegossen ist, glaubt er, daß sie des Trostes und also der Gegenwart eines Trösters am meisten bedürfe. Dies scheint aber nicht aller Geistlichen Herren Glaube zu sein. Mehrere haben wohlbedächtlich ihr Vermögen in Sicherheit gebracht und ihre theuren Personen hintennach, unbekümmert, ob ihre Schäflein vom Wolf oder von den Franzosen gefressen werden. Ich muß dem General Lombard, welcher wegen seiner Blessur nn der Hand nicht gut genug zu Fuß war um Antheil an der * halten. ') Er mußte mehrere Wochen lang den Gottesdienst im Schlafwams