89 viehischen Begierden werden. Sie wurden von herzugerufenen Gensd'armes arretirt und zu ihrem Corps geführt. Hier wurden sie — gestraft? Nein! losgelassen, und der klagende Vater und die Gensd'armes mit Schmähungen überhäuft, daß sie diese bons patriotes in der verdienstlichen Fabrikation eines jungen Republi- kaners gestört hätten. Und diese Leute haben wir in unsern Häusern! Unter ihnen müssen wir aus den Straßen wandeln! Rauben und Stehlen ist ä l’ordre du jour. Alle in dem Um- kreis hiesiger Stadt und der Nähe der verschiedenen französischen Lager und Vorposten befindlichen einzelnen Wohnungen, Höfe und kleineren Dörfer sind rein ausgeplündert, besonders das Dorf Malstatt, wo ein Detachement auf dem Kirchhof postirt war, welches sich aber bald in die Kirche einquartierte, alles Holzwerk darin verbrannte und die Orgel verstörte. Sie scheuten sich so wenig bei diesen Handlungen und waren für Strafe so sicher, daß sie vielmehr, wenn sie bei der Ablösung durch die Städte ins Lager zurückkehrten, die Orgelpfeifen mitbrachten und mit solchen im An- gesicht der Generals und Repräsentanten musicirten und von letztern mit Händeklatschen belobt wurden. Hat jedermann alle List und Verstandskräfte aufgeboten um seine besten Habseligkeilen vor ihrer Raubsucht zu verbergen, so bieten sie nicht minder alles auf um solche zu finden. Und leider! glückt es ihnen meistens. Manche haben Kasten in ihren Gürten oder im Feld in die Erde vergraben und die Oberfläche mit Gemüs bepflanzt. Diese Vor- sicht sicherte solche nicht. Tag und Nacht ziehen die Soldaten um- her und stoßen ihre langen Säbel oder spitzige Eisen in die Erde und sondiren mit solchen. Ekel und Abscheu hält sie nicht vom Rauben ab. Der Pachter auf einem etliche Stunden von hier ge- legenen Hofe barg, als er Nachricht erhielt, daß ein Trupp solcher Plünderer sich seiner Wohnung näherte, seine besten Habseligkeiten in eine Bettlade, bedeckte solche mit Stroh, legte die stinkenden Leichname vier seiner Kinder, welche in einigen Tagen nachein- ander an der Ruhr gestorben waren, auf dieselbe und glaubte jene dadurch sicher. Aber die Räuber warfen die Leichname in die Stube, durchwühlten das Stroh und fanden die Habe des armen Mannes.