82 wenige in einem Haus logirten, blieben sie die Nacht über nicht darin, sondern sammelten sich in größeren Parteien in andere Häusern. Viele Nächte mußten auf Befehl der Generale Offiziers und Gemeine schlaflos und in völliger Bereitschaft zum Abmarsch zubringen. An keine Vertheidigungsanstalt ward mehr gedacht. Noch jetzt hat sie ihre Furcht nicht ganz verlassen, ohngeachtet sie solche mehr zu verstecken suchen und jetzt wieder davon anfangen zu sprechen, daß sie sich hier vertheidigen wollen. Es ist aber nur eine erborgte Masque und kein Zweifel, daß sie beim Vorrücken der Deutschen das Hasenpanier ergreifen werden. In den franzö- sischen Festungen Saarlouis und Metz ist die Furcht nicht geringer als bei der Armee, und sie haben noch einen Grund mehr dazu, da es zuverlässig ist, daß beide nicht im geringsten verproviantirt sind und schwerlich für vierzehen Tage Lebensmittel haben. Die Stimmung, die in diesen Städten herrscht, kann man daraus be- urtheilen, daß die Einwohner bei ihren hiesigen Bekannten sich äußern, wie sie darauf zählten, daß wir ihnen das Zeugnis der bisherigen guten Nachbarschaft nicht versagen und solches für sie bei den Deutschen ablegen würden um ihnen eine gute Behand- lung zu bewirken. Vor einigen Tagen ist der zweibrückische Minister, Freiherr von Esebeck, aus der französischen Gefangenschaft befreit hier durch- gereiset. Dieser wurde gegen des bekannten Mainzer Potoki's Frau und Schwägerin hier ausgewechselt. Und glücklich war derselbe, daß er seine Reise beschleunigte, sich hier nur kurze Zeit aufhielt und den kürzesten Weg wählte um aus der Gewalt der Republi- kaner zu kommen. Denn wäre er, wie man erwartet hatte, durch die französischen Vorposten in St. Ingbert und Blieskastel gereist, so würde er ohnfehlbar ein Opfer der französischen Treulosigkeit und wieder arretirt worden sein. Der commandirende General Schauenburg, welcher eben abwesend war, schäumte bei seiner Rück- kehr für Wuth *), daß man einen so wichtigen Mann, der wahr- scheinlich durch Intriguen seine Freiheit erschlichen hätte, habe ent- kommen lassen, zumal da Potoklls Frau und Schwägerin jetzt in :) Siehe Beilage A.