74 der Nationalconvent den alten guten Gott abgesetzt hatte, der Atheismus öffentlich gepredigt wurde und es ein charakteristisches Kennzeichen eines guten Patrioten zu werden anfing über die heiligsten Sachen, über die Gottheit selbst in den verächtlichsten und schändlichsten Ausdrücken zu sprechen, änderte sich auch das bisher leidliche Betragen der Franzosen und artete in die größte Ausgelassenheit aus. Einige Sonn- und Festtage versuchte die Bürgerschaft sich den ungestörten Genuß ihrer Seelennahrung durch erbetene und theuer bezahlte französische Schildwachten, welche die Kirchenthüren besetzten und das Militär abweisen mußten, zu er- halten. Dies währte aber nicht lange, die Schildwachten wurden verweigert, da die Soldaten andere Sachen zu thun hätten als diese Thorheiten zu bewachen, und nun waren die Gemeinden allem Mnthwillen ausgesetzt. Mit brennen- den Pfeifen spazierten die Soldaten in der Kirche herum, insul- tirten Weiber und Mädchen, spotteten den Geistlichen nach. Wenn es ihnen einfiel, hießen sie solche in der Predigt stille schweigen und befahlen dem Organisten, ein Qa ira zu spielen, in welches sie dann aus vollen Kehlen einstimmten. Bei der Communion drangen sie zum Altar und verlangten auch einen Schluck von dem Pfarrer. Bei Kindtaufen geleiteten sie die Gevatterleute an den Altar, äfften ihre Bücklinge und Knixe nach, und einer unserer Geistlichen starb fast für Schrecken und glaubte, sein letztes Stünd- lein erscheine, als eine starke Anzahl bei einem Taufact die Säbel zogen und solche über den Täufling zusammenschlugen, um solchen nach republikanischer Weise zu einem Citoyen einzuweihen. Diese Unordnung bewogen dann unsere Geistlichen die Kirchen i zu schließen und jedem zu überlassen, seine Andacht im stillen zu t—- verrichten. Wir sind also jetzt an Leib und Seele verwahrlost. Vor einigen Tagen haben wir einen neuen commandirenden Ge- neral Namens Delaunay erhalten. Er ist ein guter alter Mann, welcher wahrscheinlich den Deutschen nicht viel schaden wird, denn er mag wohl weniger von dem Kriegswesen als von Pferden ver- stehen. Wenigstens hatte er als gewesener Postmeister bessere Ge- legenheit sich von diesen als von jenem praktische Kenntnisse zu erwerben. Zum Kranklachen ist es, wenn man sieht, wie sich diese