53 gemordeten oder überwältigten Reisenden herfallen, mit welcher diese Schurken über die Güter des Fürsten hergefallen sind. Be- sonders hat der herrschaftliche Keller die ersten und heftigsten An- fälle aushalten müssen, und seitdem die Commissärs hier sind, sind solche noch nicht nüchtern geworden. Die herrschaftlichen Weine sind bereits größtentheils weggebracht worden, doch haben die Commissärs eine beträchtliche Quantität zum höchsteigenen Gebrauch zurückbehalten. Auch lassen sie sich die in der Schloßküche bereiteten Speisen herrlich schmecken*). Alles, was von Chaisen, Pferdsgeschirren u. s. w. vorhanden war, ist bereits geraubt und weggebracht, so wie auch das ganze Neunkircher Schloß, die dasige Caserne und alle herrschaftlichen Gebäude rein ausgeleert sind. Was nicht weggebracht werden konnte, wurde aus die schändlichste Art verdorben, die Tapeten zerfetzt und die Fenster eingeschlagen.. Die edle Commission möchte gern reiten; herrschaftliche Pferde fand ihre Raubgier nicht, da solche größtentheils geflüchtet und ihnen nur einige Füllen in die Hände gefallen waren. Allein sie wußte sich zu helfen. Alsbald wurden alle Chevaux de luxe in Requisition gesetzt und den Eigenthümern gegen Empfangscheine, welche nicht einmal alle erhielten, weggenommen, und nun reitet das Lumpengesindel auf den schönsten Pferden, die sie keinen Heller kosten. Zur Ehre unserer bisherigen Garnison, des Carabinier-Re- giments, muß ich sagen, daß solches diese Verfahrungsart durchaus mißbilligt. Ein Theil des Regiments war ohne sein Wissen deta- chirt, um den Fürsten und Erbprinzen arretieren zu helfen, und ans Schaam ließen sich die Offiziers einige Tage lang bei ihren vertrautesten hiesigen Freunden nicht sehen. Noch heute sagte mir einer, daß er keinem Saarbrücker ins Gesicht zu sehen wage, daß es eine Schande sei ein Franzos zu sein, und daß er mit seinen *) Eine deutsche Frau, die H . . Wirthin H . . ., bei welcher sie die Kost nehmen wollten, schlug ihnen solche mit deutschem Muth und deutscher Gradheit ab. Sehen muß ich sie auf der Straße, aber sie füttern in meinem Hause, die Räuber, niemals! sagte das brave Weib und blieb dabei.