12 an solchen gesandt, um ihm die Anwesenheit der Bürger zu mel- den. Allein dieser ließ zurücksagen, daß er von einer Zusammen- kunft kein Wort wisse und von der Bürgerschaft durch seine bis- herige Amtsführung die Kränkung nicht verdient zu haben glaube, daß solche ohne sein Vorwissen ordnungswidrig sich versammlet habe. Dies erregte Staunen, Murren nub Nachfrage. Der An- stifter konnte nunmehr nicht längnen, daß der Zusammenruf durch ihn veranstaltet worden sei, und er eröffnete seine Beweggründe. Nun wurde der Unwillen noch größer. Drohungen wurden aus- gestoßen. Ein redlicher, bisher verkannter Mann bestieg statt der Tribüne einen Tisch und schilderte in der nachdrücklichsten Philip- pique und in den kernhaftesten Ausdrücken den Charakter jenes Mannes und das Schändliche seines Schrittes. Die Bürgerschaft stimmte ihm bei, schrie um Rache für ihren beleidigten Stadtrath und war im Begriff solche selbst zu nehmen. Zu diesem floh jetzt der Unbesonnene, bat ihn kniefällig in der Versammlung zu er- scheinen und — seinen Rückzug zu decken. Dies geschah, und der Mann, der bis dahin geehrt war, dem man Verstand und bürger- liche Tugenden nicht absprechen konnte, verließ mit Schimpf und Schande bedeckt seine Mitbürger. Da die Revolutions-Fieberhitze so jämmerlich abgekühlt worden war und nun die Ueberlegung ihm die Folgen seines Schrittes verzeichnete, so trat die Furcht an jene Stelle. Drei Tage bettelte er in Armensündergestalt, wie einst — aber unschuldiger — Heinrich der Vierte, in Neunkirch-Canossa um Gehör bei dem gröblich beleidigten Fürsten; und da ihm auch dies versagt wurde, so ging er um der Rache seiner Mitbürger zu entweichen in eine benachbarte Residenz, und mit ihm zog das ganze Gefolg der Zwietracht und des Aufruhrs. Während diesen wichtigen Begebenheiten ließen auch die kleinen Revolntionslichter sich keine Mühe verdrießen wenigstens einiger- maßen mitzuwirken. An einem Morgen sahen die erstaunten Gassenjungen einen uralten verdorrten, krumm und höckerichten Birnbaum, mit einer rothen Mütze geziert, auf dem Marktplatz vor dem Schloß stehen. Anfangs hielt man ihn für eine Satyre auf die Freiheitsbäume, von einigen Spaßvögeln gesetzt, bis man endlich erfuhr, daß einige jener deutschen Ohnehosen mit