89 Von Konstantins herrlicher Burg ist wenig erhalten ge- blieben. Die Reste des in der Nabe des alten Kirchhofs auf- gefundenen grossartigen Befestigungsbaues von 134 m Länge und 118 m Breite mit 16 Rundtürraen rühren, wie die Alter- turaskundigen behaupten, nicht von der kaiserlichen Burg her, sondern von einein Bau, der zum Schutze gegen die von Osten heranstürmenden wilden Völker errichtet wurde. Die Bausteine nahm man in der Not, wo man sie fand, und so erklärt es sich, warum in die Grundmauern, die 1877—86 blossgelegt wurden, so viele Steine mit Bildhauerwerk aus Grabdenkmälern eingebaut sind. Die Darstellungen beziehen sich auf römisches Leben, u. a. auch auf den damals schon blühenden Weinbau und Weinhandel. Die aufgefundenen Bildhauerarbeiten sind nach Trier geschafft worden und werdenjetztira Provinzialmuseura(s. w. u.)sorgfältig auf bewahrt. Von Neuraagen aus öffnet sich der Weg in den Hochwald nach zwei Punkten: im Thale der Trohn über Hunol- stein nach Morbach und weiter nach Kempfeld und zur Wilden bürg, oder nach Thalfang und von hier zum Erbeskopf, dem höchsten Punkte des Hochwaldes. Die Mosel beginnt oberhalb Neumagens eine neue scharfe Biegung. Auf der r. Seite sind auf eine weite Strecke wohl- gepflegte Weinberge. Am 1. Ufer folgt, von Obstbäumen umgeben, Trittenheim (1.), 1100 Einw., Gasth. bei Lorenz; Pet. Fassian, 7 Betten, N. u. F. 1,20 M., M. 1 M., P. bei 5 bis 14 täg. Aufenth. 2,50 M. Geburtsort des gelehrten Abtes Johannes Tritheraius, der 1502 dem Kurfürsten Joachim von Brandenburg nach Berlin folgte und den Kurfürsten veranlasste, die Universität zu Frankfurt a. d. Oder zu gründen. Als Abt des Klosters zu St. Jakob starb Trithe- mius 1516 zu Würzburg. In Trittenheim wird noch sein Geburtshaus gezeigt. — Der hohe Bergrücken Trittenheim gegenüber auf dem r. Ufer war von den Römern zur An- legung einer Strasse benutzt, der der Fahrweg zum grossen Teil auch heute noch folgt. Oberhalb Trittenheims nähert sich das Moselthal dem nur durch einen niedrigen Bergsattel getrennten Trohnbach- thal auf 600 m. Die östlich von dieser Stelle gelegene Höhe ist der Kronenberg, 376 m, s/4 Std. von der Trittenheimer Fähre entfernt. Nach einer weitverbreiteten Sage soll hier Kaiser Konstantin, als er zum Kampfe gegen seinen Gegen- kaiser Maxentius zog, die Kreuzeserscheinung mit der In- schrift ,,iu hoc siguo vinces“ gehabt haben, die andere nach Turin, noch andere auf eine Brücke bei Rom verlegen.