88 ein weites, ebenes Vorland aus. Die Abhänge r. von der Trobn tragen edle Reben, beste Lage der „Hofberger.“ An der Trohn weit aufwärts liegen die Trümmer der Burg Trohneck, zum Teil zur Aufnahme der Königlichen Oberföisterei wieder aufgebaut. In der Nähe das „singende Thal“. Auf der Höhe, diel, von dem Trohnbach sich ins Moselthal vor- schiebt, soll der prachtliebende Erzbischof Ni cetius im 6. Jahr, seinen wunderbaren Marmorpalast gebaut haben, derdenspätrömischen Dichter Fortunatus zu einer poetischen Schilderung begeisterte. Dreissig Türme schmückten den Wunderbau, der auf einem Hügel sich erhob, dessen Abhänge durch eine dreifache Manerterrasse gestützt waren. Hinter dem Palast, der eine von Marmorsäulen getragene Halle (aula) umschloss, erhob sich auf einem steilen Felsenabhange ein Turm mit einer Kapelle und einer mit Bailisten besetzten Plattform. Von der Höhe des Berges liefen zu beiden Seiten Mauern den Abhang hinab, um eine Stadt (Neumagen?) oder eine zur Erbauung einer Stadt bestimmte Fläche einzuschliessen. Bis jetzt ist es nicht ge- lungen, irgend eine Spur dieses Prachtbaues zu entdecken. Doch deutet das in Fortunatus’ Gedicht erwähnte Mediolanum auf ein in der Nähe gelegenes, untergegangenes Dörfchen Medelingen und damit auf die Umgebung von Neumagen hin, die der pracht- liebende Erzbischof für seinen Palast ausersehen hat. Auf dem von Trohn durch die anmutigen Gefilde führen- den Wege erreicht man in kurzer Zeit das schon von Auso- nius besungene Neumagen (r.) [Noviomagus], Anlegestelle des Dampfbootes; Gasth. Neumagener Hof, 12 Betten, N. u. F. 1,50—2 M, M. 1,20 M., P. bei 8 bis 14täg. Aufenth. 2,50 M.; Hoff mann; Clerrtft. Der Flecken hat über 1600 Einw. und ist Sitz eines Amtsgerichts. Der Ort hat heute noch ein stattliches Aussehen; besonders die an der Mosel gelegenen Häuser machen mit ihren reichen Gärten den Eindruck der Behag- lichkeit und Behäbigkeit, wie ihn ein reiches Haus in einer heitern und schönen Lage immer hervorruft. Im Mittelalter wohnten hier reiche Geschlechter. Der Kurfürst hatte hier eine Burg, die Petersburg genannt. Von der 1198 er- bauten Kirche ist auf dem Kirchhof nichts mehr vorhanden; die jetzt bestehende Kirche ist 1770 erbaut worden. Die alte Herrlichkeit, die zur Zeit Konstantins hier ge- herrscht haben muss, ist bis auf wenige Reste ganz ver- schwunden. Konstantin hatte hier eine Prachtburg; ringsum standen herrliche Villen und prachtvolle Grabdenkmäler. Ausonius war entzückt, als er, vom Hochwalde niedersteigeud, die Pracht des kaiserlichen Sommersitzes erblickte. „Endlich winkt sie, die herrliche Burg von weiland Kaiser Konstantin: Neumagen im vorderen belgischen Lande. Hier weht reinere Luft, und in heiter’m, sonnigem Glanze Thut er sich wiederum auf, der purpurfarbene Himmel. . . . Ach! das mutet mich an, als säh’ ich die schimmernde Heimat Vor mir, mein Bordeaux, derselbe liebliche Anblick: Prächtige Villen, wie dort, auf Ufers Höhen gegründet, Hügel, wie dort, mit Reben umgrünt, und freundliche Wasser, Leises, sanftes Gemurmel der ruhig fliessenden Mosel!“