59 Herrensitz am Rhein. Was sie auszeichnet, ist die bis ins kleinste gehende sorgfältige Nachahmung der mittelalter- lichen Burg, die bis 1689 diese stolze Höhe krönte und dann durch die Franzosen, die Städte- und Burgverwüster, in Schutt und Trümmer sank. Die Ruinen kamen 1868 durch Kauf in den Besitz des Geheimen Commerzienrates Ra vené in Berlin, und dieser Hess von 1871—77 dnrch Raschdorff und Ende nach einer Abbildung der Burg aus einem Städtebuch v. J. 1576 und nach den im Boden noch anfgefnndenen Grund- mauern den Bau wiederherstellen, wie er im 16. Jahrh. ge- wesen war. Die Wiederherstellungsarbeiten waren schwierig, was in der unbequemen Lage der Baustelle allein schon begründet ist. Bei den Aufräumungsarbeiten wurden noch wohlerhaltene Keller, der Burgbrunnen, eine grosse Cisteme und sämtliche Grundmauern aufgedeckt, die zu dem Wieder- aufbau benutzt wurden. Das Äussere des stolzen Baues entspricht genau dem Bilde der mittelalterlichen Burg. Die steilen Dächer, die spitzen Ecktürmchen und hohen Kamine anf allen Gebäuden sind sorgfältig wiederholt; der Rittersaal ist in gotischem Stile aufgeführt. Die Burgmauer, die Thore, die Thüren und Fenster, die Nebengebäude bis auf den Tanbenschlag und die Hundehütte bewahren getreu den mittelalterlichen Bau- stil. Die Ausschmückung und Einrichtung der Burgräume ist in der deutschen Frührenaissance gehalten, wie sie etwa der Zeit des jüngeren Holbein entspricht. Den ganzen Burgbau überragt der mit hohem Spitzdache und vier Erkertürmchen geschmückte grosse Turm, dessen Wand nach der Stadtseite ein von Salviati in Murano bei Venedig- gefertigtes riesiges Mosaikbild des hl. Christopherus zeigt, ein weithin sichtbares Wahrzeichen für Burg und Stadt. Zur Burg führen zwei Wege — vom Bahnhof in 25 Min., von der Anlegestelle in 15 Min. — eine Fahrstrasse ans der Stadt herauf und ein näherer Fusssteig: von der Bahnhofrestanration 1. an der Bahn zu der hölzernen schmalen Treppe, diese abwärts zur Stadt bis an das Moselufer, von wo der durch die Felsen gesprengte und in mehrfachen Windungen ansteigende Pfad bei einem alten Stadtthore des Burgfriedens beginnt. Er fährt durch wohlgepflegte Gärten und durch einen Weinberg hinan und gewährt die reizendsten Aussichten auf das Moselthal und auf die Mauern, Zinnen und Türme des Schlosses. Das Eingangsthor ziert ein riesiger Reichsadler mit einem Herold* Bald gelangt man an Gartenanlagen vorüber zu einer Restauration mit altdeutscher Einrichtung und reizendem Vorplatz. Der Besitzer derselben ist zugleich Kastellan und zeigt das Innere des Schlosses gegen Eintrittsgeld von 1 M. für 1—3 Personen. Ist der Besitzer des Schlosses anwesend, so werden nur einige Räume gezeigt. Von den überaus reich geschmückten und doch wohnlich und behaglich eingerichteten Räumen sind besonders hervor-