29 Befestigungen angenehm unterbrochen; das lebhafte, stets wechselnde Treiben auf dem stolzen Rhein, das nie ruhende Getriebe auf den Eisenbahnen, deren schlanke Brücken das Bild noch verschönern; im Thale die türmende Stadt und ihr gegenüber die starke Feste, dem Feind drohend und die zu ihren Füssen liegende Stadt beschützend. Wer dieses Bild bei glücklicher Beleuchtung im Schmucke der Natur betrach- tet, trägt einen Schatz schöner Erinnerungen heim, an dem er sich in einsamen Stunden lange erquicken kann. Coblenz liegt 61,50 m über der Nordsee. Das Klima ist mild, und die Luft hat, da Thäler nach verschiedenen Seiten sich öffnen, nichts von jener entnervenden Weichheit, die ihr wohl in den in geschlossenen Thälern liegenden Städten eigen ist. Zur Zeit hat Coblenz ungefähr 38,000 Einwohner, einschliesslich 5000 Mann der Garnison. Die Stadt, ursprüng- lich nur an der Mosel gelegen, hat sich allmählich nach dem Rhein hin vergrössert und wird sich, nachdem sie den Charakter als Festung verlogen hat, und 1890 von der Landesvertei- digung die Schleifung der die Stadt einengenden Werke ge- stattet worden ist, zwischen Moselbahnhof, Mainzerthor und Rhein noch weiter ausdehnen, wie die bereits abgesteckten Strassen andeuten. Die neuen Stadtteile wetteifern in An- lage und Bauart der Häuser mit den schönsten Teilen der grossen Städte, und werden, wenn der Plan vollständig be- baut sein wird, das Städtebild um vieles verschönern, was die Coblenzer um so mehr wünschen, da die Altstadt wenig mit der reizvollen Umgebung im Einklänge steht. """""Geschichte. Wie die meisten grösseren Orte am Rhein und an der Mosel Ist der Ursprung Coblenz’ in römischer Zeit zu suchen. Zur Befestigung der über die Mosel und weiter über die Karthanse führenden Strasse (ad confluentes) legten die Römer — wahrscheinlich an der Stelle des heutigen Marktes — eine Zollstation an, die später als Castrum befestigt wurde. Von der römischen Pfahlbrücke über die Mosel traten 1864 infolge des niedrigen Wasserstandes einige Reste hervor. Die erste römische Ansiedlung, nach dem Zusammen- fluss von Mosel und Rhein Confluentes, auch Confluentia genannt, wurde allmählich zu einer Stadt erweitert, doch nicht schon zur Römerzeit; denn von einer Römerstadt sind keine Spuren aufgefunden worden. Im Jahre 807 hielt Karl d. Gr. in Coblenz einen Gerichts- tag. Unter seinem Nachfolger Ludwig dem Frommen wurde 836 der Bau des St. Castor-Münsters und der Castorkirche begonnen, die als älteste und ehemals auch bedeutendste Kirche der Stadt in deren Geschichte eine wichtige Rolle spielt. In dieser Kirche wohnten die Söhne Ludwigs des Frommen dem Gottesdienste bei, als sie mit Heeresmacht ihrem Bruder Lothar entgegenzogen. Hier fanden sie sich 860 wieder zusammen, um ihre Erbstreitigkeiten endgültig bei- zulegen. In der Versammlung bedienten sich hier Ludwig der Deutsche und Lothars Sohn zum ersten Male an Stelle des bis dahin herrschenden Lateins der deutschen Bede und leisteten den Eid in deutscher Sprache. Coblenz ward mit dem ganzen Erzstift Trier Lothar zugeteilt und gehörte bis 921 zu Lothringen, in welchem Jahre es wieder zu Deutschland kam. 1018 schenkte Kaiser Hein-