3 — kante oder auf einem bewaldeten Felsen des Seiteuthals die Trümmer einer alten Ritterburg und erwecken in der Seele des Beschauers Bilder einer schönen Vergangenheit. Denn wie am Rhein, so ist auch hier die Landschaft von dem Zauber der Romantik umwoben. Um Burgtrümmer und Wartturm, um Mauer und Verliess spinnt die Sage und Ge- schichte den Schleier der Romantik und versetzt den Beschauer in die poesievolle Zeit des deutschen Rittertums. Aber das Moselland ist noch von einem andern Zauber durchweht, der den Wanderer noch weiter zurückversetzt, und den es in solchem Grade mit keinem andern Fiussthale Deutschlands teilt. Der Geist der alten Römer tritt hier dem Besucher fast auf Schritt und Tritt entgegen. Er spricht zu ihm aus manchen Ortsnamen an der Mosel; er nimmt ihn wahr aus den gewaltigen Bauresten, wie aus den zierlichen Mosaikböden, besonders in und um Trier, die alte Augusta Trevirorum. Bald links, bald rechts von seinem Wege nötigen ihn die Grundmauern einer römischen Villa, eines Tempels, einer Wasserleitung oder einer Befestigung, sich in die Zeit zu versenken, da hier ein gewaltiger Wille gebot, der sich rücksichtslos halb Europa unterworfen hatte und hier in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung eine Kultur ver- breitete, deren vom Boden so treulich bewahrte, jetzt sorg- sam gesammelten und gehüteten Reste im Trierischen Museum uns in Erstaunen und Bewunderung versetzen. Es war nicht die Rücksicht auf das Staatswohl allein, was die Römer veranlasste, gerade Trier und das Moselthal zu ihrem Wohnsitze zu wählen. Auch sie zog die Lieblich- keit der Mosellandschaft an, und der Dichter Ausonius hat in seiner „Mosella“ in begeisterten Worten dem Entzücken Ausdruck gegeben, das das herrliche Moselgelände in ihm erweckt hat. Sein Gedicht, wahrscheinlich um B70 entstanden, ist das älteste Gedicht, das die Schönheit eines unserer vaterländischen Gaue preist, und mutet es uns auch etwas sonderbar an, wenn der noch unter dem Einflüsse des Römertums stehende Dichter am Strande der Mosel Nymphen, Faune und Satyrn erblickt, so freut es uns doch, dass schon damals die landschaftlichen Reize der Mosel so beredt gefeiert worden sind. Ausonius fasst das Lob des herrlichen Gaues in folgende Worte zusammen: „Sicherlich, käme von Neapel einer gewandert, Nennt' Kleln-Bajä gleich er unsere liebliche Gegend ; Denn man findet wie dort des Lebens glänzende Freuden, Nur dass hier der Genuss sieh eint mit mässigerm Aufwand.“ Es ist müssig, dem Lob, das der Mosellandschaft mit Recht gezollt wird, die Wendung zu geben, als sei sie den herrlichen Rheinlandschaften überlegen. Der Rhein bleibt das I*