— 140 — fein Sterblicher kann wissen, wann das Wüthen m eigenen Fleische aufhört und das tief niedergeschmettert Volk die Ruhe wieder findet, die es so sehr bedarf, um sich von den Leiden zu erholen, die es sich durch , seine Mißregierung, seine Leichtfertigkeit, Untreue uitb Sittenlosigkeit, Eigendünkel und Gelüste nach dem Gute anderer Nationen zugezogen hat. V , Im deutschen Reiche aber hat man seit langer! * Zeit kein Osterfest gefeiert, wie in diesem Jahre, betn Jahre 1871; ein warmer, wonniger Frühlingshauch ! zieht durch die deutschen Lande, lockt ans dürren nui kahlen Zweigen grünende, schwellende Knospen, in der i Herzen der Menschen aber neue Hoffnungen hervor > Wie vom Gottesodem geschwellt, hebt jede Brust sich ; in dem Bewußtsein vom Herannahen einer bessere» i Zeit, und daß, wie des Winters Nacht, auch die Nacht entschwunden ist, die so lange dein deutschen Volke den i hehren Tag seiner Einheit und Freiheit verhüllt har f Voll Vertrauen und Hoffnung sieht das ganze deutsche ! Volk in die Zukunft; dieses erhebende Bewußtsein ist ' es auch, das wie ein Friedensengel Milderung und ' Trost bringt in so viele Tausende von Herzen, die i» ! Schmerz und Trauer au den Gräbern oder an dein ' Schmerzenslager ihrer Lieben klagen, die als Opfer ! gefallen sind in dem heiligen Kampfe, von dem ich Dir, I geehrter Leser, eine kurze Skizze in dieser Local-Chro- nik zu geben verursacht habe. Ich weiß es, daß diese ! Schrift keinen Anspruch machen darf auf Vollständig seit, ans Wahrheit aber kann sic Anspruch machen, und somit gebe ich sie mit Vertrauen in Deine Hand, ! überzeugt, daß Du mir Deine Nachsicht nicht ver- i sagen wirst. ! i S a ar b r ü cke n, den 10. April 1871. | | 1 c —•—.....— '