23 — gutes Brod zu den billigsten Preisen verabreicht werden. Auch an vielen anderen gewerblichen Anstalten ist für die Familien der zu den Fahnen Einberufenen auf ähnliche edle und patriotische Weise Fürsorge getroffen worden. Lazarethe wurden schleunigst überall eingerichtet; Jedermann verstand den vollen Ernst der Zeit, in der wir lebten und die ganze Schwere der Pflichten, die an das deutsche Bürgcrthum herangetreten waren. Unterdessen nahmen die Vorpostenplänkeleien eine immer lebhaftere Gestalt an; die 40er Füsiliere schossen hie und da einen feindlichen Chasseur vom Pferde, die Franzosen knallten wie wahnsinnig herüber, ohne daß in den beiderseitigen Stellungen im großen Ganzen be- deutende Berändernngen wahrzunehmen gewesen wären. Am Vormittag des 1. August traf der comman- dirende General des 8. Armcecorps, General der In- fanterie, v. Goeben, hier ein, verweilte einige Stunden in Saarbrücken und setzte alsdann seine Weiterreise fort. Im Laufe des Nachmittags sind von 40er Füsilieren drei verdächtige Personen eingebracht worden. Der eine von ihnen war ein katholischer Geistlicher oder trug wenigstens das Gewand eines solchen, die anderen zwei waren Männer, welche bei ihrer Gefangennahme Frauenkleider trugen. Dem Fabrikanten und Gutsbesitzer Herrn Ed. Karcher dahier, welcher eine Fuhre auf sein Hofgut in Kleinblittersdorf schickte, sind beide Pferde vor dem Wagen niedergeschossen worden; das eine blieb auf der Stelle todt, das andere ward nur verwundet und der die Fuhre begleitende Knecht rettete nur mit großer Gefahr sein Leben. Das war für uns der erste Be- weis, wie die Franzosen das Privateigenthum achten!