5. Die Freiheitsfrage. 127 5. Die Freiljeitsfrage. Das Freiheitsproblem1) gehört nicht in den Rahmen dieser Untersuchung, weder in seiner allgemeinsten Form, als Frage nach der Möglichkeit einer „Unbestimmtheit“ des Werdens überhaupt, noch als besonderes Problem der „Willens- freiheit“. Nur das eine mag im Zusammenhang mit den von uns hier behandelten Gegenständen an dieser Stelle gesagt sein, daß die Frage nach Freiheit in sinnvoller Weise über- haupt nur auftreten kann, wo es sich um Werden in irgend einer Form handelt. Nun handelt es sich beim Ich, wie wir wissen, nicht um Werden, sondern nur um Haben. Daraus aber ergibt sich die wichtige Einsicht, daß für Ich die Frage nach Freiheit oder Bestimmtheit ebensowenig auftritt wie die Frage, ob „Ich“ rot oder grün sei; nur für meine Seele, nicht aber für Ich, kann überhaupt sinnvoll nach Freiheit oder Bestimmtheit gefragt werden — eine schein- bar paradoxe, aber sich aus dem Gange der Untersuchung ohne weiteres ergebende Einsicht, IX. Rückblick. I. Die Urtatsaclie. Das Ich habe bewußt Etwas stand uns am Ausgange der Philosophie; das Etwas schloß Ordnung ein. Daß sich aller besondere Philosophiebetrieb, ja auch das Wissen des nicht- philosophischen Menschen diesem Ausgang einfügt, haben wir gezeigt. Haben ist die Urtatsache des Bewußtseins; Haben und nur Haben, nicht „Tun“. Auch was „Wissenserwerb“ genannt wird, ist eine bestimmte Art des Gehabten. Ich habe den Begriff Wissenserwerb, dem Ich mein Selbst oder meine ') Vgl. Wirkiichkeiislehre S. 106 ff., das Problem der Freiheit (1917) und Kantsiudien Band 22 S, 114 ff.