116 VII. Die „Wahrheit“ und ihre Kriterien. nicht beachtet, daß das Wirkliche, als der Grund, nicht ärmpr an Mannigfaltigkeit sein kann als die Folge, d. h. der Erfahrungsinhalt. Aber das ist auch nur ein Maßstab für Fernhalten des Irrtums, nicht ein Maßstab für Wahrheit als solche. Von Wahrheit, welche „allgemeingültig“ ist für ein „Be- wußtsein überhaupt“, kann auf metaphysischem Boden dann sinnvoll geredet werden, wenn man das Bewußtsein überhaupt selbst zum Wirklichen gehören läßt. Aber diese „absolute All- gemeingültigkeit“ bleibt völlig leer, weil eben nieder jede Mög- lichkeit eines Kriteriums für sie fehlt; Ich meine ja doch das „Bewußtsein überhaupt“; Ich „bin“ es nicht. Von einem „Reich“ der Wahrheit zu reden, ist übrigens auch auf meta- physischem Boden zum mindesten überflüssig: Im metaphysi- schen Sinne wahre Sätze haben ja, abgesehen von ihrem Sein in der Seele, auch kein „Sein“; das Wirkliche vielmehr, welches sie treffen, ist es, welches Sein hat. Wahr ist ein Prädikat, eine Eigenschaft gewisser Sätze; „die Wahr- heit“ ist ebensowenig ein Dinghaftes wie „die Wärme“, und ebensowenig sind die „Sinne“ wahrer Sätze dinghaft. Die Sprache mit ihren vielen Substantiven ist hier eine große Verführerin. — 6. Das Wort „Wert“. Wir fügen den Erörterungen über die Bedeutungen des Wortes „Wahrheit“ noch Einiges über die Bedeutungen des Wortes „Wert“ bei, der ja in der neuesten Philosophie, seit Lotze und zumal seit Nietzsche, eine so große Rolle spielt1). Soviel ich sehe, wird das Wort „Wert“ heute in vier ver- schiedenen Bedeutungen, oder, besser gesagt, in zweimal zwei ver- *) Hierzu 0. L. Seite 265 ff., W. L. Seite 54 Anm. Unsere Ausführungen setzen voraus, daß sich die Bedeutung des Wortes „Wert“ durch Zerlegung aufzeigen, daß sich also „Wert“ de- finieren lasse. Manche (z. B. Messer, Ethik S. 42) leugnen das.