76 V. Das Seelenhafte. Der Wissenserwerb. Empirischen deckt sich der Schichtenban der reinen logischen Formen mit der Psycbogenese dieser Formen. Mit dem Ausdruck, daß auch Naturkategorien, obschon nicht von jeher gehabt, doch als solche praktisch unverbesser- bar oder „apriori“, d. h. wenn geschaut, dann praktisch un- verlierbar und endgültig geschaut, seien, soll ein Gleiches natürlich nicht für die Inhalte besonderer Naturbegriffe und Naturgesetze ausgesprochen sein. Die sind nicht einmal „praktisch“ unverbesserbar; denn nur, daß ich, nachdem ich die Unerfüllbarkeit des ordnungsmonistischen Ideals ein- mal eingesehen und andererseits den beschränkten Ordnungs- typus der Natur, welcher in das Wort „Kausalität“ einbe- schlossen ist, schauend erfaßt habe, nun in Zukunft alles Naturerlebbare Tcausal (nicht freilich „mechanisch“), erfassen darf, das schaue Ich als praktisch endgültig erledigt. Selbstredend wird in dieser seiner praktischen Apriorität der Kausalitätsbegriff nicht etwa, wie Kant meinte, eine „Vor- aussetzung der Möglichkeit der Erfahrung“, denn es ist ein viel vollkommener Typus von Erfahrung als das kausale, der ordnungsmonistische nämlich, grundsätzlich denkbar1}; wohl aber in diesem, daß Ich mir darüber klar sein muß, daß ich Ding (oder auch Ursächlichkeit) bewußt habe mit einem Tone daran, welcher besagt, daß mein Selbst diese Behauung nicht von jeher, nicht als zu seinem Wesen gehörig besaß (trotz ihrer Endgültigkeit, wenn sie ein- mal geschaut ist), und mit noch einem anderen Tone, welcher zwar die Einheit, aber nicht die Einfachheit des Dinj-begriffes anzeigt, (vgl. das oben S. 40 f, über den mittelbar gemeinten, gleichsam selbständigen einzigen Naturgegensland Gesagte). Schon in der „ Wirklichkeilslehrea (S. 240) habe ich, im Gedanken an Lipps und Seheier gesagt, daß häufig „ein Vergessen der Vor- geschichte des eigenen Schauens“ unterlaufe. *) Kantstudien 22, 1917, S. 93 ff. — Nur beiläufig mag hier, als nicht zum eigentlichen Gegenstand der Untersuchung gehörig, noch gesagt sein, daß das mathematische Apriorl einschließlich des geo- metrischen sich also wesentlich vom naturtheoretischen unterscheidet. Alle mathematischen Begriffe und Beziehungsaussagen (auch der en-