und Aufschlüsse geben von dem menschlichen Innen- leben, besonders auch von den Zusammenhängen, in denen es sich aufbaut, ein völlig anderes Bild als die alte idealistisch-rationalistische und als die natur- wissenschaftlich-mechanistische Seelenlehre. Sie of- fenbaren das Walten bluthaft durchglühter Strömun- gen von iiberrationaler Dynamik, sie machen uns be- kannt mit Urerlebnissen. Es wäre reizvoll und er- giebig, z. B. die „Bekenntnisse“ des H. Augustinus daraufhin zu erforschen, was in ihnen an Beiträgen zu einer solchen tiefenpsychologischen Theologie dar- geboten wird. Ihm sehr nahe hinsichtlich der Ehr- lichkeit der Selbstbeobachtung und hinsichtlich der Auswertbarkeit der Funde steht Kierkegaard, zeitle- bens ein entschiedener Gegner Hegels und der von Hegel vertretenen idealistischen Rechtfertigung der Kultur, jener Kulturbejahung, die schließlich auf eine optimistische und humanistische Geschichtsverklä- rung hinausläuft. Der dänische Theologe und Psy- chologe kennt und schildert die furchtbaren seelischen Erschütterungen, die Schuld-, Verzweiflungs- und Sündengefühle, die metaphysische Lebensangst, die uns, zumal der unendlichen Erhabenheit Gottes ge- genüber, in „Furcht und Zittern“ (dies der Titel eines Buches von K.) versetzt. Und auf diesen Gefühlen und der durch sie verursachten Qual beruhe das Chri- stentum. Von ihm besitzt Kierkegaard eine andere Vorstellung, und von ihm erweckt er eine andere Vor- stellung, als es die übliche, alles mildernde, alles in das Licht der Versöhnung rückende, die Furchtbar- keit des religiösen Erlebens verklärende offizielle 104