Behandlung des Einsprüche» von der Seite des objek- tiven ästhetischen Formgedankens, bildet den Gegen- stand unserer Betrachtung die realistische Abwehr derjenigen Versuche, die auf eine Uniformierung der ganzen äußeren, der geschichtlichen und objektiven Kultur gerichtet sind. Diese Abwehr hat sich nun gemäß den Ausführungen des jetzt vorliegenden Ka- pitels in und auf das Innere gewendet. Auch in die- ser Beziehung verficht der Realismus die Berechti- gung eines Formgefüges und einer Formgestaltung von nicht universaler, von einer nicht für alle Zeiten, nicht für alle Menschen und nicht für alle Lebensla- gen gleichermaßen gültigen Prägung. Er betont seine Ehrfurcht vor der Mannigfaltigkeit der nun doch ein- mal vorhandenen individuellen Weisen des Fühlens und des Urteilens. Er unterstreicht den Wert dieser Mannigfaltigkeit, die nicht künstlich erzeugt, son* dem das Zeichen und Zeugnis einer in hunderttau- send verschiedenen und unaufhörlich wechselnden Gestalten sein unendliches Schöpfertum bekundenden und bewährenden Lebens des Geistes ist. Wir erfas- sen und betätigen uns nicht bloß als Glieder einer seelischen Gemeinschaft, deren Kraft und Geltung so stark wäre, daß sie unser Eigenleben, unser individu- elles Fühlen, Wollen, Vorstellen ganz und gar aus- löschte, sondern wir erleben uns auch als unverwech- selbare Einzelmenschen, als diese bestimmten Indivi- duen im guten und im schlechten Sinne. Die Berechtigung dieses Erlebens ist ebenso un- antastbar wie der persönliche Wert, den dieses Erle- ben sowohl für unsere eigene Entwicklung als auch 84