schränkten, nur für sie gültigen, nur auf sie berech- neten Einstellung. Wir stehen hier, wie ohne weiteres klar ist, vor oder in der Spannung zwischen den Geisteshaltungen und den Erlebnisweisen der Klassik und der Ro- mantik. Diese Spannung ist nicht bloß für die abendländische Kulturentwickelung in ihrer Allge- meinheit charakteristisch, vielmehr weiß um sie jeder in seinem Innern freie und aufgeschlossene Mensch, jeder Mensch, der sich nicht einer besonderen Welt- anschauung und ihrer verengenden Dogmatik ausge- liefert hat. Sie findet ihren wissenschaftlichen Aus- druck in einer recht verschiedenen psychologischen Deutung des menschlichen Wesens. Die Psychologie, auf die die Klassik sich stützt und beruft, und mit der sie arbeitet, ist von ganz anderer Art als die in dem geistigen Raum der Romantik heimische Seelenlehre. Und ebenso wie diese beiden Typen der Psychologie gegeneinander stehen, ferner ebenso wie Klassik und Romantik gegeneinanderstehen, so kommt auch alle- mal über die Geltung des Einheitsgedankens und der einheitlichen und allgemeinen Bildungsidee der Klas- sik eine Krise, sobald sich aus den Tiefen des roman- tischen Welterlebens eine Auflehnung zu Gunsten des Rechtes und des Wertes der Individualität erhebt. In dem unmittelbar vorangehenden Kapitel, also bei der D vgl. Ricarda Huch „Blütezeit der Romantik“ und „Aus- breitung und Verfall der Romantik“ 2 Bände, Leipzig; 10. Aufl. 1920. Fritz Strich „Deutsche Klassik und Romantik oder Voll- endung und Unendlichkeit“ München 1924. 6* 83