Sein wesenhaft unabhängigen und entfernten Berei- chen der Wirklichkeit zuwenden. Kunst und Religi- on, Staat und Recht, Wirtschaft und Wissenschaft. Sprache und Gemeinschaft bilden die Ergebnisse die- ser unermüdlich formenden Handlungen. Aber auch umgekehrt trägt die Natur und trägt die Kultur un- zählbare Kräfte zu objektiver Formung in sich, Ordnungsprinzipien von größter Macht und Verschie- denartigkeit. Der Mensch bekommt sie unaufhör- lich zu spüren. Und in der dialektischen Auseinan- dersetzung dieser von dem Menschen ausgehenden und der auf ihn einwirkenden Formen entwickeln sich unser Leben und Schicksal. In dieser hier kurz angedeuteten Weise stellt sich für eine tunfassende philosophische Betrachtung die beinahe unermeßlich weite und reiche Welt der For- men dar. Kennzeichnend für eine solche Betrach- tung sind die Bereitschaft und die Fähigkeit zu un- voreingenommener Aufnahme und Würdigung des Sachverhaltes in seiner ganzen subjektiven und ob- jektiven, seelischen und begrifflichen, natnrhaften und kulturellen Mannigfaltigkeit. Sie gibt dann wei- ter die Grundlage ab für eine reichgegliederte Lehre von den Gestalten des Seins, für eine Morphologie, die ebenso die seelischen wie die nalurhaften und die geschichtlichen, die psychischen wie die begriffli- chen Gestalten der Wirklichkeit umfaßt1). Hinsichtlich der Forderung, die reale Fülle der *) vgl. Hermann Friedemann „Die Weh der Formen, System eines morphologischen Idealismus“. Berlin, 1926. 74