ßen- und der Innenwelt aufzunehmen und zur sinn- lichen Anschauung zu erheben vermögen. Goethe hat diese, in einem besonderen Sinne intuitive Bega- bung zu freier und reiner Schau, in der sich wie in dem Auge Gottes alles Sein in unverkrümmter Form spiegelt, oft geschildert, als wollte er sich dadurch die Eigenart seiner Fähigkeit, an die Dinge vorurteilslos heranzugehen und sie vorurteilslos zu betrachten und zu würdigen, selber klarmachen. Von diesen häufi- gen Selbstcharakteristiken sei nur die eine aus dem „Tasso“ erwähnt: Sein Ohr vernimmt den Einklang der Natur; Was die Geschichte reicht, das Leben gibt. Sein Busen nimmt es gleich und willig auf; Das weit Zerstreute sammelt sein Gemüt. Und sein Gefühl belebt das Unbelebte. Und erreicht ist das Ziel, sobald sich die innere Über- zeugung, die Evidenz einstellt, nämlich die Gewißheit, daß die Erscheinung auch wirklich so ist, wie sie auf- genommen ist, ohne daß hinter ihr noch ein Rück- stand, ein geheimnisvolles und unerkennbares Ansich übrigbleibt. — Der Vertretung dieser ontologisch-phänomenolo- gischen Auffassung entspricht Punkt für Punkt eine teils ausgesprochene teils verschwiegen mitlaufende Polemik gegen den Idealismus. Was wird ihm von jener Auffassung zum Vorwurf gemacht? Statt sich, wie es der Aufgabe der Philo- sophie gemäß sei, an die Erkenntnis der Seinsbe- 60