würde, dann dürfte vor allem dem philosophischen Denken das Ehrenprädikat des Heroismus zuerkannt werden. Denn dieses Denken befindet sich immer in der Haltung des Wagnisses und damit immer in der Haltung und in der Lage der Krise. Aber nur das Heroische hat die Kraft und den Mut zum Wagnis, und nur das Heroische hegt keine Furcht vor der Krise. Zu welchem Versuch aber gehört mehr Mut, welcher Versuch und Ansatz ist durch den Einbruch einer Krise mehr gefährdet als das — schon tausende Mal mißglückte — Unternehmen, die absolute Realität in der Form absoluter Wahrheit zu erkennen? Aber dieser Heroismus des philosophischen Den- kens und seine Kraft und Fähigkeit, der Träger und der Dolmetscher des Gewissens der Menschen zu sein, sind es nun auch, die, ebenso wie sie die Entwickelung der Philosophie in die ihr notwendigen und heilsa- men Krisen verstricken und den philosophischen Ge- danken auf diese Weise weitertreiben, auch zur Ent- stehung von Krisen in der allgemeinen, menschlich- geschichtlichen Arbeit und Entwicklung beitragen. In dieser Leistung bekundet sich am deutlichsten und lehrreichsten der Anteil der Philosophie an dem gei- stig-geschichtlichen Leben, d. h. ihr Einfluß auf die Kultur. Es ist so häufig die Rede von der Mög- lichkeit bzw. Tatsächlichkeit derjenigen Einwirkung, die der Geist einer Zeit auf die Philosophie ausübt. Hier haben wir nun umgekehrt den Ein- fluß der Philosophie auf die Zeit in einer konkre- ten und deshalb überaus wirksamen Gestalt vor uns. Jene soeben kurz geschilderten metaphysisch-sittli- 50