de Rolle. Auch innerhalb des Zusammenhanges der philosophischen Arbeit kommt es immer dann zu ei- ner Wendung und zu dem Hervortreten einer Krise, wenn sich eine Abwehr gegen die auf der unmittelbar vorangegangenen Entwickelungsstufe der Philosophie — angeblich — schuldhaft vorgenommene Verken- nung des Gewichtes der Begriffe der Realität und der Wahrheit erhebt. Diese Entwicklungsstufe müsse des- halb, so lautet die Forderung, von Grund aus überwun- den, ja ausgelöschl werden. Denndamals habe die Phi- losophie sich an dem Sinn, an der Bedeutung jenerBe- griffe geradezu versündigt, sie habe an dem Wesen der Realität und Wahrheit vorbeigeredet und damit eine der höchsten Pflichten der Philosophie verletzt. Des- halb verdiene sie den Vorwurf der Wirklichkeits-1) und Wahrheitsfremdheit; sie schwebe gegenstands- und beziehungslos in der freien Luft und beschränke sich auf den mageren Wert einer rein akademischen Angelegenheit. Die Schwere dieses Tadels, mag er nun zu Recht *) Auf diesen, nach bestimmten Zwischenzeiten immer wie- der auf tauchenden, aber trotz seiner Wiederholung sein Recht nicht verbessernden Vorwurf der „Wirklichkeits- und Lebens- fremdheit“ gewisser philosophischer Richtungen werden wir später zu sprechen kommen. Zu diesem Tadel in seiner Allge- meinheit vgl. das scharfsinnige Buch von Paul Haeberlin „Das Wesen der Philosophie“, München 1934 z. B. S. 107 u. ö. H. setzt sich kurz, aber in durchschlagender Weise mit diesem Vorwurf auseinander und deckt seine Unhaltbarkeit auf. Er zeigt, daß dieser Vorwurf einem fundamentalen Mißverstehen der Aufgabe und des Wresens der Philosophie entstammt. 34