verstehe und verkenne und denjenigen Motiven nicht Genüge tue, die zur Entstehung dieser Probleme ge- führt haben. Im Augenblicke wollen wir den Grund und das Recht jener Polemik nur kurz andeuten, um dadurch jene späteren Ausführungen vorzubereiten, die den Kern unserer Schrift darstellen. Wenn es, so sagt die im Realismus verwurzelte Lebensphiloso- phie, einem philosophischen Denken wirklich Ernst sei um die uneingeschränkte Aufnahme, Erfassung, Würdigung und Behandlung jener Probleme, dann dürfe es ihre Kraft und ihre Schwere nicht spirituali- stisch und intellektualistisch verdünnen, verkleinern und zerreden. Es müsse dem Begriff der Realität und der Wahrheit gegenüber eine andere Einstellung ein- nehmen und ihrem Gehalt und ihrer Problematik mit einer durchaus anderen Methode beizukommen suchen, als das von der Seite der idealistischen Ver- nunftphilosophie aus geschehen sei i). Tadel und Vorwurf gegen die Gegnerin und Vor- gängerin erfolgen also auch hier im Namen dersel- ben Stimmungen und auf Grund desselben Eindru- ckes und derselben Sorge, aus denen heraus innerhalb des allgemeinen Geisteslebens eine geschichtliche Kri se entsteht. Hier wie dort spielen für die Auslö- sung einer Krise die gleichen Motive eine entscheideu- 1) Vgl. die neue Einsichten in die tiefsten Voraussetzun- gen der philosophischen Welterfassung eröffnende Akademie- abhandlung von Eduard Spranger „Die Urschichten des Wirk- lichkeitsbewußtseins“ 1. Sitzungsberichte der Preuß. Akademie der Wissenschaften. Phil .-Hist. Klasse 1934 XXII. u A. Liebert, Die Krise d. Idealismus. 33