148 Die Aktualität der Kunst. Attribut der res cogitans keine Möglichkeit hat, zur res extensa überzugehen. Körper also im Innern der Seele, wenn man ihn vom Standpunkt des Subjekts betrachtet, dem einzig möglichen Standpunkt für den, der sich das Ziel setzt, den Erkenntnisvorgang zu begreifen. Aber gibt es vielleicht einen andern Körper, an den der Gedanke sich binden kann, und von dem man daher offenen Auges sprechen könnte? Das also ist der Punkt, in dem der Gedanke sich nach Rosmini in die Wirklichkeit einfügt. Nicht in die materielle Wirklichkeit, sondern in eben die Wirklichkeit, die für den Materialisten materiell und doch umgekehrt einfach die Wirklichkeit ist, die der Gedanke braucht, und zu der er daher immer wieder sich wendet, und in der er sich auch immer wieder findet. Das ist die Wurzel, mit der der riesige Baum des Gedankens, der mit seinen Wipfeln an den Himmel rührt, der Erde verbunden bleibt, aus der er sein Leben zieht, und die den Quell seines Daseins bildet, aus dem er wachsen und aufstreben und seine höchsten Zweige bis zu der obersten Krone ausdehnen kann. Ihn von der Erde losreißen, hieße ihn niederschlagen, die Gefäße seines Lebens zum Verdorren bringen, hieße das Leben auslöschen, durch das er sich immer stärker zur Höhe erhebt. Diese Wurzel kann das Subjekt nicht von jemandem anderem haben. Sie ist sein Attribut, die Voraus- setzung jeden Geschehens, als dessen Zuschauer oder Urheber es gedacht werden kann. Sie ist sein Ausgangspunkt, und durch ihn, durch den Menschen, dessen ersten Lebensantrieb sie darstellt, ist sie der Ausgangspunkt für alles. Dieses Fühlen auf der Grundlage des Lebens des Geistes, der Anfang der Erkenntnis jenseits allen Erkennens, der Stützpunkt der Persönlichkeit und der Mittelpunkt ist, um den alles sich be- wegt, was für die Persönlichkeit ist, das heißt also ihre ganze Welt, hat große Verwandtschaft mit dem Urgefühl, das wir vor- hin erörtert haben. Wie es für Rosmini keine intellektuale Wahr- nehmung und daher keine Erkenntnis gibt, der nicht das Urgefühl immanent ist — jenes Urgefühl, durch das jede Idee Idee eines Menschen ist, an sein Sein gebunden und gleichsam schwingend von der inneren Erschütterung, in der unablässig im individuellen Bewußtsein sein dem Leben des All verknüpftes Leben pulsiert —, so gibt es für uns keinen Gedanken, der nicht Akt eines Sub- jekts wäre, gefärbt von seiner Subjektivität, errichtet von seinem Interesse, und so mit seinem Leben und seinem Sein unlöslich ver- bunden. Für den Menschen, der wach ist und tief seinen eigenen