Dialektik der Form. 113 Aktivität ausgewählt und angewendet, wie der Bildhauer sich des Marmors und wie jeder Künstler sich seiner körperlichen Mittel bedient, um, wie wir sagten, sein inneres Phantasiebild in die Außenwelt zu projizieren. Beides Bedeutungen, die infolge der philosophischen Basis, auf die sie sich stützen, unannehmbar sind. Denn weder ist der Begriff einer Natur zu rechtfertigen, die nicht selbst Geist ist und doch von einer inneren Zweckmäßigkeit gelenkt wird; noch ist jene Sorte von Dualismus zu verstehen, durch den man dem Geist eine äußere Natur gegenüberstellt, die ihn begrenzt, so daß man daher an ein zu- fälliges Zusammentreffen oder an Wechselbeziehungen zwischen den beiden Wirklichkeitsordnungen denken kann. Wir werden an seiner Stelle sehen, in welchem Sinne es uns gegeben ist, das Natur- schone richtig zu begreifen, das die Ästhetiker leugnen mögen, das aber unaufhörlich von den Ästhetikern selbst wie von den Men- schen im allgemeinen gefühlt und gefeiert wird. Hier mag es genügen, bemerkt zu haben, daß das Merkmal der Geistigkeit, das den ästhetischen Wert wie jeden andern Wert kennzeichnet, der Grund ist, daß der Geist in derselben ästhetischen Form seine Freiheit offenbart. In derselben ästhetischen Form, die die erste und anfängliche ist, und die daher auch als die un- mittelbare Form des Lebens des Geistes erscheinen sollte. III. Dialektik der Form. 1. Unmittelbarkeit und Freiheit der ästhetischen Form. Ein sehr bedeutungsvolles Problem ist das, das aus der Weise entsteht, den Charakter der Unmittelbarkeit zu begreifen, in dem sich uns die ästhetische Form darstellt. Wer „Unmittelbarkeit“ sagt, sagt Natur. Die Freiheit liegt in der Entwicklung, im Prozeß, in dem das Unmittelbare aufhört, unmittelbar zu sein und mittel- bar wird. Der Gedanke ist im allgemeinen frei, weil er unmittelbar ist. Verneinung des Seins (Natur) und daher Werden. Poeta nasci- tur? Nein, denn wenn die Poesie eine natürliche Tatsache wäre wie ein Wasserfall, so würde ihr Wert schwinden.