14 Das Problem der Kunst. mehr jenen Frieden, jene Selbstberuhigung, die ihre Haltung ver- liert, sobald die Spur eigener Begrenztheit oder der Gegenwart von irgend etwas Außenstehendem, das unserer Existenz nicht günstig sei, sondern sie benachteiligen und bedrohen könnte, auf- tauchte. Hier ist die Wurzel der unerträglichen Unruhe, die die Seele einem Problem gegenüber zeigt, hier die Wurzel der Notwendig- keit, der nicht zu bezwingenden Leidenschaft, die uns vorwärts- treibt, die Lösung zu suchen. Und der Gedanke ist von einer Unruhe erfüllt, die Seele und Körper verzehrt, weil sie den ganzen Menschen unablässig in Probleme stürzt, die zu lösen sind, ihm nicht einen Augenblick Frieden und Freude läßt, ohne vor seinem Innern ein neues Problem zu errichten, das ihn in einen neuen Krieg mit dem neuen Schmerz hineintreibt, welchen es hervor- bringt. Wenn aus der Lösung sich kein neues Problem erhebt, wenn nichts mehr zu erkennen da ist, dann denkt man nicht mehr; das Leben ist erloschen. Das ist der Tod. Das Objekt angleichen und in das Innere hineinbeziehen — das ist das Problem. Das aber ist kein einfacher Vorgang, weil das Subjekt nicht einfach ist, dem das Objekt angeglichen werden soll. Es hat zwei Attribute, die zu ihm gehören, und die es zu eben dem Subjekt machen, für das das Problem entsteht: durch das eine existiert es, und durch das andere ist es das, was es ist, näm- lich eben das Subjekt, das zu sein weiß, das immer das gleiche und immer ein anderes ist, wie jeder von uns es aus seiner eigenen Er- fahrung kennt. Sein und Wesen sind zunächst die beiden grund- legenden und nicht näher zu definierenden Formen des Seins des Subjekts. Dieses Subjekt wäre nichts, wenn es nicht vor allem da wäre, aber es wäre auch dann nichts, wenn es nicht im Wesen seines Selbstbewußtseins da wäre; denn es existiert nur, insoweit es sich bestätigt, und wenn es sich nicht aus sich heraus bestätigt, so kann unmöglich irgend jemand es zu einem Da-Seienden machen. Dasein und Wesen sind übrigens die notwendigen Attribute jeglichen Dinges, das nicht ein abstrakter subjektiver Gedanke dieses oder jenes denkenden Seins ist, sondern ein wirkliches, ein konkretes und, wenn man so sagen darf, ernsthaft gedachtes Wesen ist. Alles ist, soweit es existiert, und es existiert, indem es etwas ist. Aber im Gedanken sind Sein und Wesen so eng verbunden, daß sie wie ein einziges Ding erscheinen, als der gleiche Begriff in seiner Entfaltung; denn nur in dem Sein, das Gedanke ist, verwirklicht sich das Existieren als ein bestimmtes