12 Das Problem der Kunst. nicht zur Kritik und zu einer der Methode, der Zielrichtung und der Kenntnisse wegen als philosophisch zu nennenden Forschungs- methode gelangt sind, als Wahrnehmung bezeichnet wird, ist der Gedanke, der sich selbst prüft und sich einen Begriff von sich selbst, seiner eigenen Haltung und Bedürfnisse sowie der ordnen- den Gesetze des eigenen Wirkens gibt: ein Gedanke, der, bemühen wir uns, ihn zu vervollkommnen (und ist man nicht stets darum bemüht?) sich bestimmt als der Vervollkommnung fähig und damit als unvollkommen erweisen wird; indem er aber vervollkommnungs- fähig ist, ist er bereits Gedanke. Das ist der Grund, weshalb die Kunst, ihrem menschlichen Cha- rakter gemäß, für alle Menschen ein Problem ist, nicht nur für die wenigen, die sich von den anderen als Philosophen unterscheiden. Sie ist ein Problem, an dem niemand sich für uninteressiert er- klären kann, und tatsächlich ist jeder an ihm beteiligt. 4. Der Problembegriff. Was heißt das: ein Problem sein? Ein Problem ist jedes Hindernis, das der Gedanke überwinden muß, um zu jener Entfaltung voranzuschreiten, in der sein Leben oder vielmehr sein Sein selbst besteht; und man verstehe unter dem Gedanken nicht das Attribut des denkenden Seins (zum Beispiel des Menschen), sondern das denkende Sein selbst (den Menschen). Der ist immer Wächter seines Gedankens und so seiner selbst. So daß Stillstand des Gedankens nicht das gleiche ist, das gleiche wäre wie Ende und Stillstand irgendeiner Bewegung der Natur: ein einfacher Vorgang, der sich ohne weiteres erklären läßt. Der behinderte und eingeschlossene Gedanke ist ein lebendiges Wesen, das in sich sein eigenes Lebensprinzip trägt; er ist, besser gesagt, ein Subjekt, eine Persönlichkeit, die sich als Selbstbewußtsein und Wille behauptet, daher auf Hindernisse reagiert und sich nicht auf- heben läßt, sondern die Hindernisse zu überwinden sucht, weil sein Wesen in eben dieser Selbstbestätigung liegt und eine Auf- hebung also nicht zuläßt. Das Hindernis, auf das der Gedanke stoßen kann und über das zu triumphieren er seiner Natur nach notwendig bemüht ist, muß, um ihm als Gegensatz zu begegnen, von außen an ihn heran- treten, sich ihm als Grenze entgegenstellen. Denn, wie wir sehen werden, wer „Gedanke“ sagt, sagt „Freiheit“, und wer „Freiheit“