statistischer Mechanik, sondern stellt eine eigenartige Spielraumgesetflich- keit dar, welche das steuernde Eingreifen „höherer Potenzen und Faktoren“ ermöglicht. „Entelechie“ bedeutet für midi nidit etwa ein im Organismus vorhan- denes beständiges Ding und Wesen, sondern ist ein abkürzender Ausdruck für das Integral der im lebenden Organismus tätigen Rieht-, Form- und Ent- ivicklungskräfte. Nur im Organismus (Pflanze und Tier), nidit im Kristall, müssen wir eine schaffende Zentralgewalt fingieren, die auf Erhaltung und Steigerung in Wechselwirkung mit der Umwelt bedacht ist; diese Zentral- gewalt können wir uns kaum anders als seelisdi geartet vorstellen; daher auch Driesdi’s Psydioid-Entelediie. Hierin treffe ich durdiaus mit Driesch zusammen — desgleidien audi mit allen anderen Neovitalisten (wie Eridi Becher), die einen verborgenen Körperwillen annehmen, welcher der Willenskraft bewußten Lebens analog vorgestellt werden kann. „Ente- lediie“ ist mithin für die Wissenschaft ein Grenzbegriff, der nidits erklärt, sondern im Grunde nur für dieFragestellung sinnvoll ist: Wie macht es die Entelechie des lebenden Körpers, diese oder jene Pläne zu verwirklidien und bestimmte Ziele zu erreichen?20 Inbezug auf Sdiopenhauers Behauptung, daß keine Grenze in der Natur so scharf gezogen sei wie die zwischen Leblosem und Lebendigem, Anorgani- schem und Organischem, besteht bei Driesch und bei mir übereinstimmende Bejahung, tro§ der Resultate der Virusforschung. (Eine Virusform ist ent- weder eine Molekel ohne Stoff- und Energiewechsel oder ein Lebewesen mit Stoff- und Energie Wechsel; ein Zwischenglied erscheint mir undenkbar.) 20 Führt man den Entelechiebegriff in positivistischer Weise auf seine reine Erfahrungsgrundlage zurück, so läßt sich diese in den Satj fassen: In allen Lebe- wesen geschehen viele Vorgänge (schließlich auch zu Handlungen führend), die sich physikalisch und chemisch nicht hinreichend beschreiben lassen, vielmehr eine Obergesetjlichkeit erkennen lassen, die sich der physikalischen und chemischen Gesetjlichkeit überlagert. 207