seinem „Organologischen Weltbild“ entwickelt hat und der Driesch, der immer Aufgeschlossene, sehr empfehlende Worte gewidmet hat. Kurz, die Entwicklung vollzieht sich im Sinne der Bildung von rela- tiv selbständigen Teilganzheiten mit Sonderaufgaben und auch die einzelnen Organe bauen sich wieder nach diesem Prinzip auf. Worauf es uns hier ankommt, ist, zu betonen, daß es mit der an sich schon rätselhaften Zellteilung nicht getan ist, sondern daß die Morpho- genese höhere Bildungsgesetje fordert. Die Formbildung selbst führt zur Verwirklichung topologischer Gebilde und von einer Fülle von Raumgestalten, deren Erörterung weit ins Mathematische hinein- reichen würde und zu denen Hermann Friedmann ein reiches, noch nicht genügend beachtetes Material vorgelegt hat.Ob dieBeauftragung durch Weckung immanenter Potenzen erfolgt oder durch Verleihung derselben, das ist die Frage nach dem Träger, nach dem Subjekt, dem „Regisseur“: Ist dieser der Substanz immanent oder steht er über ihr? Und mit dieser Frage gekoppelt ist die andere: Ist diese Bildung vom Allgemeinen zum Besonderen hin auf Grund eines vorweggenommenen Planes nicht wesensgemäß als psychisch anzu- sprechen, d. h. ist die Entelechie oder wie immer man den aktiv vitalen, aktualisierenden Faktor nennen möge, den man so oft mit einem Künstler verglichen hat, nicht als im weiteren Sinne psychi- sches Subjekt anzusprechen? Dieser Frage wollen wir uns zuerst zu- wenden. 3. Das WTesen der Entelechie — Entelechie, Psychoid, Psyche Driesch hat die Entelechie zwar eingeführt als den ganzheit- machenden „Naturfaktor“, der gerade die Lücke in der Kausalität zu schließen hat, die entsteht, wenn man die physikochemische Kausalität als unzureichend für die Erklärung des organischen Ge- schehens erweist; aber wir sagten schon des öfteren, sie ist nicht gemeint und kann nicht gemeint sein nur als Naturfaktor, der be- wirkt, daß das Geschehen „anders“ läuft, als nach physikochemi- schen Gesehen zu erwarten wäre, auch nicht nur als ganzheitliche aber selbst sinnfreie Kausalität, nicht also als Faktor, der nur inso- fern teleologisch zu betrachten wäre, als er das Ziel einer ganzheit- lichen Ordnung und Formung schlechthin in sich trägt und erwirkt (etwa wie ein Katalysator, der auch Naturfaktor genannt werden könnte, der ein anderes als das ohne seine Anwesenheit ablaufende Geschehen einleitet und der ganzheitstiftend genannt werden müßte, wenn er ganzheitschaffende Gesetje auslöst). Der „entele- 124