würde man weiter anuehmen müssen, daß es auf Grund seiner in- neren Ordnung sich auch an Differenzierung bereichert, daß also ein stärker gestalteter Zustand B auf einen weniger gestalteten A folgen müsse. Wenn man aber, und zwar in willkürlicher Weise, das Gebilde teilt, die Anordnung, die zu B führen würde, also verändert, so kann man nach den vorausgesetzten Kausalgesetzen allenfalls den Eintritt eines neuen Gleichgewichtszustandes, die Bildung von Ord- nungen ähnlicher Art erwarten — etwa wie bei einem geteilten Magnetstab —, aber nicht, daß der Teil sich ebenso weiter gestaltet, wie das schon in der Entwicklung befindliche Ganze es getan hätte. Symbolisch geschrieben: sei (rM .... rn) der Zustand vor dem Experiment und würde er zu einem Zustand Z2 führen, so kann bei einer Teilung höchstens erwartet werden, daß sich ein analoges Gleichgewicht bildet, falls nämlich der Zustand Z sich in den Be- ziehungen der r und ihren Resultanten erschöpft; falls es aber kein statischer oder stationärer Zustand war, sondern ein dynamischer, so kann es nicht gleichgültig sein, wenn von den Elementen eine be- liebige Zahl weggenommen wird. Man müßte schon jedem Einzelteil, jeder Zelle die Potenz zuschreiben, also annehinen, daß in jeder ein solches Maschinellen steckt. Wie verständigen sich dann aber diese Maschinellen, daß sie nicht alle unabhängig voneinander ihre Ent- faltung beginnen? oder, um so präzis wie möglich zu sein: wenn Zj in Z2 übergeht auf Grund der Ordnung der Elemente in jeder Zelle und der zwischen ihnen wirksamen Kräfte, so müßte normalerweise eine Konkurrenz von Entwicklungen bestehen und, falls diese Ent- wicklungen sich selbst wieder beeinflussen, müßte nach einem Expe- riment ein anderes Gebilde entstehen als ohne Experiment. Nimmt man aber gar die Gesamtheit der Argumente, so ist man durch den Verweis auf ein flüssiges und chemisches Gebilde und auf unbekannte, aber noch „mechanistisch“ (physikochemisch) nenn- bare Gesetze nicht einen Schritt vorwärts gekommen. Gesetze unbe- kannter Art aber, die nicht auf Grund der Beziehungen der Teile und der Einflüsse auf sie eindeutig kausale Folgen zeitigen, sondern denen die Tendenz zur Anreicherung der Gestalt ohne Eindeutigkeit der Anfangsbedingungen innewohnt, würden wir eben nicht mehr physikochemisch heißen können, und wenn sie für die Welt schlecht- hin, nicht nur für die Lebewesen gelten, so wäre diese selbst keine „tote“, anorganische Welt mehr. Der Fall aber, daß besondere finale ganzheitschaffende Naturgesetze mit der organischen Substanz ver- bunden bleiben, ist, wie gesagt, bereits ein Sonderfall des Vitalismus und gehört zu seiner Feinstruktur; denn er würde besagen, daß nach der Teilung jene selben Bildungsgesetze in der verminderten Sub- stanz wirksam werden, die vorher in der Gesamtsubstanz wirksam 78