deutigkeit und Mehrmöglichkeit stehen im inneren Zusammenhang, aber doch als begrifflich selbständige Argumente: 2. die höhere „Mächtigkeit“ des organischen Geschehens gegenüber dem anorga- nischen, die Steigerung des Mannigfaltigkeitsgrades und der Ord- nung; es gibt mehr biologische Bedarfsfälle und ein reicheres Maß von Entfaltung, als durch Anordnung vorgesehen sein können; 3. die in dem Sinn von „Bedeutung“ schon inbegriffene Bedeutungs- haltigkeit und Sinnhaftigkeit der Entwicklung und des Verhaltens in Aktion und Reaktion. Alle diese Beweise und Charakteristiken stehen unter dem Übergriff, den sie erzwingen, der Zielstrebigkeit zu einer Ganzheit-im-Werden-und-sich-Erhalten, und zwar einer mehr als nur morphologischen, einer sinntragenden Ganzheit. Die Unzulänglichkeit einer auch nur modellhaft grundsätzlich möglichen Erklärung aus den Gesehen, die einen physikalischen Mechanismus beherrschen, darf heute als unbestritten gelten. Mit der Maschinentheorie von J. Schultz hat sich Driesch selbst ausein- andergesetzt. Aber schon B. Bavink läßt doch den Gedanken offen, oh Driesch’s Beweise auch für eine chemische Maschine gelten, und E. Rhunibler bekennt sich trotz Drieschs Widerlegung der Maschi- nentheorie als Mechanisten* 5: Der Autonomiebeweis Drieschs sei nur anzuerkennen, wenn man sich ein aus festen Teilen zusammen- gese^tes Modell denke. Anders stehe die Sache bei flüssigen oder zeitweise flüssigen heterophasischen Systemen. Der flüssige oder wieder verflüssigte Zustand erlaube eine Verschiebung der Struk- turkomponenten nach Maßgabe der Schwere und Oberflächenspan- nung, die sehr wohl das frühere Gleichgewichtsbild des Systems wiederherstellen könnten, wenn einzelne Teile aus ihm weggenom- men würden. Freilich, fügt Rhunibler hinzu, der Vitalismus habe keine Veranlassung, sich gegen den Vergleich des Organismus mit einer Maschine, die mit chemisch-physikalischen Mitteln . . . sich zum Endresultat des entwickelten Tieres „hinarbeitet“, zu sträu- ben, denn auch „Maschinen kennen wir ja immer nur als Intelligenz- produkte“. „Dem Mechanisten scheint es denknotwendig (!), wenn auch zur Zeit im Einzelnen nicht vorstellbar, daß die Entelechie- faktoren“ (wenn man die „planmäßige Zielstrebigkeit“, den „Intel- ligenzfaktor“ so nennen wolle), „welche das in Rätselform akzep- tierte Entelechieproblem zu lösen berufen erscheinen, mit der er- sten organischen Stoffkomposition bei der Urzeugung also entweder als Akzidenz oder als direktes Erzeugnis oder als ein von außer- 5 B. Bavink, Ergebnisse und Probleme der Naturwissenschaften, 8. Auflage, S. 441 ff.; L. Khumbler, Das Lebensproblem, S. 73. An Rhumblers Einwand sei auch darum erinnert, weil er unschwer in moderne physikalische Vorstellungen iibersetjt werden könnte. 75