erschienen als „Philosophy of the OrganisnT' in zwei Bänden, und kurz darauf auf Deutsch, von meinem Mann seihst übersetzt, als „Phi- losophie des Organischen”1. Der Wunsch der Aberdeener Kollegen war außerdem, daß er seine Forschungsergebnisse möglichst theoretisch begründen möge. So entstand das erste große naturphilosophische Werk von Hans Driesch und bildete den Übergang zu seiner philoso- phischen Periode. Mein Mann hat es stets abgelehnt, wenn man von einem „Umsatteln“ bei ihm sprach. Sein Eingehen auf philosophische Probleme vollzog sich allmählich und folgerichtig. Schon die ersten Erfolge seiner Seeigelexperimente wiesen ihn auf die Unmöglichkeit, die Lebensvorgänge mechanistisch zu erklären. Anton Dohrn bezeich- nete Driesch damals in einem Brief an einen Freund als „das Haupt dei vitalistischen Richtung“. Uber die „Entelechie“ kam nun Driesch folgerichtig zum Studium all der Probleme, die seit Aristoteles die Philosophen beschäftigt haben. In Aberdeen erfuhr er, daß man, nach- dem man sonst zumeist Theologen als Giffordlecturer berufen hatte4, von den europäischen Naturforschern gerade ihn erwählt habe, weil seine biologischen Veröffentlichungen theoretisch und philosophisch fundiert seien. Die zwanzig Aberdeener Vorträge legte mein Mann auf je vier Wo- chen in jedem Jahr. Ich habe ihn jedesmal begleitet. Damit der finan- zielle Ertrag des „Giffordpreises“ nicht geschmälert würde, waren wir jedesmal in einem Aberdeener Professorenhaus Logiergäste, wie über- haupt der Giffordlecturer durch viele Einladungen und sogar mit dem sonntäglichen Gebet des Geistlichen in der „Chapel“ geehrt wurde. So lernten wir das „Aberdonian Life“ gut und von seiner besten Seite kennen. Mit einer Reise nach dem Caledonian Canal, das erstemal, und nach der Walliser Küste mit daran anschließendem Aufenthalt in London, wo gerade die „season“ abrollte, das zweitemal, beschlos- sen wir die Aberdeener Zeit. Zwei Jahre darauf verlieh die Aberdee- ner Universität Hans Driesch den Ehrendoktor. Er fuhr zur Ver- leihung wieder hin. In Aberdeen hatte mein Mann Geschmack am Dozieren gefunden, was er vorher stets bezweifelt hatte, ja er meinte oft, das Lehren läge ihm überhaupt nicht, er wolle nur forschen. Da verschiedene Profes- soren der naturwissenschaftlichen Fakultät in Heidelberg ihm schon öfters geraten hatten, sich zu habilitieren, teilte er nun diesen Wunsch von sich aus mit, erwähnte aber, daß es ohne jede Bedingung geschehen müsse, also vor allem ohne Kolloquium usw. Nur seine bis dahin er- schienenen zahlreichen Werke ließ er bei den Professoren zirkulieren. 4 Der Berliner Theologe Pfleiderer, Sir Max Müller, der aber schon in Oxford als Sanskritist wirkte, und Driesch blieben bis heute die einzigen deutschen Gifford- lecturers. 14