Richtung. Bei den Zusammenkünften des Vereins wurden Vorträge gehalten und darüber diskutiert. Freiburg betrachtete er als Vorbereitung für Jena, wo Haeckel wirkte. Er bezog im dritten Semester also die Jenenser Universität. Haeckel hat ihn als Schüler sehr geschätzt und mein Mann hat bei ihm auch seine, übrigens ganz selbständige, Doktorarbeit über Hy- droidpolypen gemacht. Schon während der Jenenser Studienjahre, noch mehr aber bald daran anschließend, entstanden bei Driesch Zweifel über den Wert der Haeckel’schen Stammesgeschichte. Sein logisches Denken wurde nicht von den nur mit Hypothesen arbeiten- den Spekulationen Haeckels und denen anderer, in gleicher Richtung arbeitender Zoologen befriedigt. Als er dann mit seinem Freund Curt Herbst1 in Triest und Neapel am lebenden Seeigel, an der Tubularia und anderen maritimen Lebewesen seine bekannten Ex- perimente ausführte, war die Abkehr von der „Phylogenie“ endgül- tig besiegelt. Aber schon früher, gleich nach der Jenenser Zeit, nach dem Erscheinen seines ersten theoretischen Werkes, schrieb er Haeckel, und zwar in der freundlichsten Form, was ihn von ihm trennte. Haeckel hat darauf nie geantwortet, sich aber bei verschie- denen Gelegenheiten in Jena sehr gehässig über meinen Mann ge- äußert, während dieser in keinem seiner Werke aggressiv gegen Haeckel geworden ist. Die Reihe der für die gesamte Biologie so wichtig gewordenen Experimente von Hans Driesch und auch von Curt Herbst wurde in Triest begonnen, aber bald siedelten er und Herbst nach Neapel über, wo sie an der gut eingerichteten „Stazione Zoologica“ (Aquario), der Gründung des genialen Organisators Anton Dohrn, während der neunziger Jahre stets in den Wintermonaten arbeiteten2. In jene Jahre fallen u. a. zwei große indische Reisen der beiden Freunde. Die erste war ursprünglich dem Studium der tropischen Meeresfauna gewidmet, die zweite aber galt den großartigen indischen und hurmanesischen Bauten. Eine Sammlung schönster Photogra- phien dieser Kulturdenkmäler, die mein Mann von jener Reise mit- gebfacht hatte, haben ihm im Laufe seines Lebens immer wieder Freude gemacht. Während der Sommer- und Herbstmonate jener Jahre sahen sich die Freunde die europäischen Länder an, lebten auch eine Zeitlang in Zürich und sehr häutig in Alpenorten, wo die Neapler experimentellen Ergebnisse gesichtet und theoretisch verwertet wurden. 1 Später, als Nachfolger von Bütschli, Ordinarius der Zoologie in Heidelberg und aktives Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. 2 Du Boys-Reymond hat in seiner letjten Leibniz-Rede u. a. auf Hans Driesch und Curt Herbst als Pioniere auf dem Gebiete der experimentellen Biologie hin- ge wiesen. 10