kurzer schwerer Krankheit starb er im Alter von 38 Jahren. Seine Frau und der kleine Hans, die auch mit in Ostende waren, wurden sofort geimpft, was damals noch nicht allgemein üblich war, und blieben so von dieser furchtbaren Krankheit verschont. Die Witwe hat ihren Verlust nie wirklich überwinden können. Ob- wohl sie in späteren Jahren in Hamburg Geselligkeit pflegte, Konzerte und Theater besuchte, so fand ich in ihren Tagebuchnotizen doch, immer wiederkehrend, die Erinnerungen an ihren frühverstorbenen Mann. Ihr Leben gehörte nach dem traurigen Ostender Erlebnis ganz ihrem Sohn Hans. Das Geschäft ihres Mannes blieb bis zu ihrem ver- hältnismäßig frühen, von meinem Mann aufs schmerzlichste empfun- denen Tod, 1889 in Wiesbaden, in ihren Händen. Ein Geschäfts- führer und die Vormundschaftsassistenten für ihren Sohn standen ihr zur Seite. Nach altem Hamburgischen Recht durfte sie selbst der eigentliche Vormund sein. Das Haus in Hamm verkaufte sie bald und zog wieder nach Hamburg. In Hamburg verlebte mein Mann also seine heitere, wohlbehütete Kindheit und die sich daran anschließenden Schuljahre. Vierjährig lehrte ihn seine Mutter schon Buchstaben und Zahlen und er soll stets sehr glücklich gewesen sein, wenn er es „konnte“. Das entnahm ich einem kleinen, für ihren Jungen von Josefine geführten Tagebuch. Sechsjährig kam er in die Privatschule von Dr. Biber, und nach den Elementarklassen dieser Schule wurde er Schüler des berühmten „/ohanneums“, einer Gründung Bugenhagens, des Freundes und Zeitgenossen Luthers. Dieses humanistische Gymnasium war und ist zweifellos eines der besten in Deutschland. Wer wie Hans Driesch gern lernte, nahm ein erstaunlich reiches Wissen mit ins Leben. Von seinen damaligen Lehrern erwähnte mein Mann oft aus den höheren Klassen den Mathematikprofessor Schubert und den Deutschpro- fessor Mets; dieser habe auch schon in die Anfangsgründe der Philo- sophie eingeführt. Für Englisch und Französisch wurden gute Grund- lagen gelegt, auch zum Sprechen kam es in den höheren Klassen. Vor allem natürlich wurden die alten Sprachen gepflegt. Ein sogenannter „Musterschüler“ war mein Mann nicht. Er begriff und lernte aber sehr leicht und was ihn, wie zum Beispiel Mathematik, interessierte, betrieb er über das Geforderte hinaus. So kam es auch, daß die Abiturientenklasse nicht in ihm den ersten Preisträger des Jahr- ganges vermutete. Mit diesem Preis verhielt es sich so: Ein Ehepaar hatte zum Andenken an seinen jung verstorbenen Sohn eine Stiftung gemacht, aus der in jedem Jahr der beste und zweitbeste Abiturient Preise erhielten. Das ausschlaggebende war die niedrigste Endsumme im Abgangszeugnis. Hansens Abiturientenzeugnis enthielt nun diese niedrigste Ziffer, da er als einziger in Mathematik und Physik je 8